London - Ohne Klimaabkommen droht der weltweite Energieverbrauch rapide zuzunehmen. Damit rollen auf die Industriestaaten nicht nur zusätzliche Kosten für die Folgen der Erderwärmung zu. Sie müssen sich in den nächsten 20 Jahren auch auf eine Verdoppelung ihrer Energieausgaben einstellen, sagten Vertreter der Internationalen Energieagentur (IEA) bei der Vorstellung des World Energy Outlook am Dienstag.

Zwar dürfte der Energiebedarf heuer rezessionsbedingt um zwei Prozent sinken. Aber allein in den kommenden fünf Jahren sei mit einem durchschnittlichen Nachfrageanstieg von 2,5 Prozent pro Jahr zu rechnen. Der Bedarf wird demnach bis 2030 mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent zunehmen. Die Öl-Nachfrage soll dann einen Höhepunkt von 105 Mio. Fass (je 159 Liter) am Tag erreichen. Dies wären pro Tag 20 Mio. Barrel mehr, als im Vorjahr verbraucht wurden.

Einem IEA-Mitarbeiter zufolge liegt die Zahl deutlich über der als möglich erachteten Produktion. 2030 sei angesichts schwindender Vorkommen eine Ausbeutung von 90 bis 95 Mio. Fass kaum denkbar.

Nach den Worten von IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol dürfte der Ölpreis bis 2015 auf 100 Dollar (66,8 Euro) je Fass steigen, bis 2030 rechnet er mit 190 Dollar je Fass. Damit würden sich die Energieausgaben in der EU in den beiden kommenden Jahrzehnten auf 500 Mrd. Dollar verdoppeln. "Wir halten das für sehr alarmierend", sagte Birol. Mit dem Ölpreis-Rekord 2008 hätten die Energiekosten in der EU bereits 2,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreicht.

Großbritannien setzt auf Atom

US-Leichtöl zur Lieferung im Dezember kostete am Dienstag 79,20 Dollar je Fass. Die Nordseesorte Brent wurde mit 77,62 Dollar gehandelt. Futureskontrakte für Lieferungen im Dezember 2017 notierten bei knapp 100 Dollar je Fass.

Großbritannien will nach den Worten von Energieminister Ed Miliband bis 2018 eine neue Generation von Atomkraftwerken in Betrieb nehmen. Zehn Orte seien für neue Anlagen ausgewählt worden. Sämtliche alte AKW sollen bis 2023 vom Netz. Die neuen AKW könnten bis 2025 rund 40 Prozent des britischen Strombedarfs decken. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2009)