Die Maus und der Elefant haben ihren Spaß bei der Zwischenmoderation der legendären Kindersendung "Die Sendung mit der Maus".

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Armin Maiwald (69) will Sachgeschichten erzählen, "solange es dem Publikum gefällt". Derzeit ist seine Stimme aus der "Sendung mit der Maus" nicht wegzudenken.

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Das ist Armin. Armin ist Mitarbeiter beim deutschen Fernsehsender WDR und einer der Erfinder der Sendung mit der Maus. Er erzählt seit 38 Jahren "Sachgeschichten" und erklärt uns dabei ganz komplizierte Dinge so einfach, dass es wirklich jeder versteht.

Ungefähr so könnte Armin Maiwald, einer der Redner der zweitägigen SciCom09 zum Thema "Wissenschaftskommunikation" (16. bis 17. 11. an der Technischen Universität Wien) vorgestellt werden. Erklärungen, die mit "Das ist" beginnen, sind typisch für den mittlerweile 69-jährigen Kölner, der bei der Tagung in Wien über "Wissensvermittlung an Kinder" sprechen wird. Mit der Stimme eines gütigen Märchenonkels berichtet er seit 1971, also seit Beginn der Sendung mit der Maus, wie die Milch ins Kühlregal im Supermarkt, der Wurm in den Apfel und der Plastikbecher zu seiner Form kommt. Und er sucht dabei nach Beispielen aus dem Alltag der Kinder, "um sie mit einem Thema dort abzuholen, wo sie sind".

Das klingt dann etwa so: "Man nehme einen Teller Spaghetti. Wenn sie warm sind, lassen sie sich wunderbar durcheinanderwirbeln. Wenn Sie ausgekühlt sind, bilden sie eine klebrige Einheit. Hebt man die Masse vom Teller, dann sieht man die Negativform des Tellers abgedruckt. Ungefähr so funktioniert das auch mit der Verformung von Kunststoff." Banal? Wohl kaum. Maiwald hat für diese Form der Wissenschaftsvermittlung unzählige Preise gewonnen, zum Beispiel den begehrten deutschen Adolf-Grimme-Preis. Und er weiß heute: "Für eine erfolgreiche Wissenschaft-Kindersendung braucht es einiges: Wissenschafter, die bereit sind, ihre Kenntnisse unbedarften Filmemachern weiterzugeben. Und es braucht Autoren, die so lange fragen, bis sie es kapiert haben. Und Regisseure, die die Fantasie besitzen, dazu eine Geschichte mit stimmigen Bildern zu finden." Alles in allem also eine aufwändige Angelegenheit, die man nicht "nebenbei" erledigen kann.

Schwieriger Beginn

So einfach das heute klingt, so schwierig war das anfangs, gesteht Maiwald dem Standard gegenüber. In den 1960er-Jahren waren Kindersendungen im Fernsehen nämlich recht langweilig. "Mädchen und Burschen saßen im Sonntagskleidchen oder im Sonntagsanzug im Studio und bastelten mit steinerner Miene." WDR-Redakteur Gert Müntefering habe dann zu den Autoren und Regisseuren im Team gesagt: "Wir müssen raus und in den Alltag der Kinder, um ihr Interesse zu wecken." Die Frage war nur: Wie? Maiwald: "Wir liefen wie die Verrückten ins Kino und schauten uns unzählige Dokumentarfilme an, die damals noch als Vorfilm im Kino zu sehen waren. Da wussten wir, wie es nicht geht. Und hatten bald einen Katalog von Dingen, die wir nicht machen wollten."

Müntefering, Maiwald und das Team begannen dann endlich, an wirklich einfache Dinge zu denken. "Wie kommt das Ei auf den Frühstückstisch? Wie die Semmel? Wie kommt die Milch in das Kühlregal?" Schon damals habe es Kinder gegeben, die im städtischen Raum aufwuchsen, "und dachten, dass die Milchflasche im Kühlfach wächst?" Die Fernsehleute begannen mit der Semmel. Und gingen "Stück für Stück, Schritt für Schritt" zurück zum Mehl in der Bäckerei. "Danach ließen wir das Ganze im Schnellgang wieder zum Frühstückstisch vorlaufen." Fertig. Oder auch wieder nicht fertig, denn der Film war noch ohne Ton. Wie kam also die Stimme Maiwalds in die Sendung?

Von Anfang an gab es Kritik wegen des fehlenden Tons. "Ihr macht unsere Kinder sprachlos", hieß es da. Die Gestalter der Sendung wussten auch, dass das noch nicht alles sein konnte. Also schrieb Maiwald auf, wie er den Kindern mit Worten erklären wollte, was im Film zu sehen war. Müntefering war entzückt. Reagierte aber sauer, als er das Endergebnis sah und hörte. "Hast du irgendetwas daran geändert?" Hab ich nicht", sagte Maiwald. Die einzige Änderung: Nicht Maiwald, der WDR-Sprecher sprach die Sätze. Das gefiel Müntefering überhaupt nicht.

So wurde aus einem Fernsehredakteur eine bekannte Fernsehstimme wie aus ihm zuvor auch ein Wissenschaftsjournalist wurde - ohne Vorkenntnisse. Bis heute gibt es keine inhaltliche Vorgaben. Ob man nun atomare Kettenreaktionen mit Tennisbällen, die auf Mausefallen purzeln, erklärt oder die die Geschichte vom Biogas mit dem Furz eines Schweines beginnt. Das Einzige, worauf Maiwald Wert legt: "Die Sachgeschichten müssen trotz aller Verknappung stimmen, deshalb zeigen wir die Filme Wissenschaftern, bevor wir sie ausstrahlen." Die seien mittlerweile sehr offen für Wissenschaftsvermittlung. Und versuchen auch für Phänomene, die die Kinder beobachtet habe, eine Erklärung zu finden. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2009)