Das Salzburger Frauengesundheitszentrum "Isis" hat auf den Vorschlag der Familienstaatssekretärein Christine Marek für eine Bundesstatistik zu Schwangerschaftsabbrüchen ablehnend reagiert und betont, dass ein statistisches Erfassen von Eingriffen und Entscheidungsgründen keine Abtreibung verhindern würde. Die "Aktion Leben" hingegen begrüßte die angedachte Maßnahme als sinnvoll.

Tatsächliche Ursachen

Petra Schweiger von "Isis" hielt fest, dass die Entscheidungsgründe von Frauen zum Schwangerschaftsabbruch hinlänglich untersucht und bekannt seien. So werde die Wahrscheinlichkeit, dass eine ungewollte Schwangerschaft abgebrochen wird, umso höher, je mehr der folgenden Hintergründe zutreffen würden: die Schwangerschaft ist "ungewollt", es besteht keine auf ein Kind bezogene Zukunftsvorstellung, die Familienplanung ist abgeschlossen, oder es fehlt eine stabile Partnerschaft.

Auch fehlendes Wissen über die eigene Fruchtbarkeit, Anwendungsfehler oder Versagen des Verhütungsmittels seien die Hauptursachen von ungewollten Schwangerschaften, erläuterte Schweiger. Der erschwerte, rezeptpflichtige Zugang zur Notfallerhütung in Österreich trage dazu bei, dass die Zahl der ungewollte Schwangerschaften nicht zurückgehe, so die Expertin. 

Eingriff in Privatsphäre

In den Forderungen nach Offenlegung der Entscheidungsgründe sieht das Frauengesundheitszentrum einen Eingriff in die Privatsphäre von Frauen und hätten keinen "tatsächlichen Einfluss auf die Reduzierung der Abbruchshäufigkeiten". "Es ist ausreichend bekannt, was zu tun ist, um die Zahl der Abbrüche so gering wie möglich zu halten: bessere Aufklärung, leichter und kostenloser Zugang zu Verhütung und eine rezeptfeie Notfallverhütung", forderte Schweiger.

"Schluss mit Denkverbot"

Die "Aktion Leben" unterstützt dagegen Mareks Idee. "Es ist völlig unverständlich, dass der Gesundheitsminister Zahlen und Motive von Schwangerschaftsabbrüchen nicht erheben will", meinte Generalsekretärin Martina Kronthaler, die auf die kursierenden Schätzungen über Schwangerschaftsabbrüche in Österreich verwies: "Gesichertes Datenmaterial" sei gefragt. "Zur Statistik brauchen wir eine Erhebung von Motiven, die zu ungewollten Schwangerschaften und zu Abbrüchen führen", forderte Kronthaler. Nur so könne man gezielt Informationsprogramme entwickeln und zielgruppengerechte Hilfen anbieten.

Die Sorge der GegnerInnen vor Belastungen der Frau durch eine Motivenerhebung sieht Kronthaler als unbegründet: "Selbstverständlich" müsse eine solche auf Freiwilligkeit und Anonymität basieren. Ob eine Motivenerhebung belastend sei, hänge von der Art der Erhebung, der Fragestellung und vom Umgang mit den betroffenen Frauen ab. Darüber hinaus gebe es viele Möglichkeiten, qualitative Studien durchzuführen, die Frauen in keiner Weise belasten. "Uns reicht es, dass die GegnerInnen einer Motivenerhebung den BefürworterInnen ein Denkverbot auferlegen wollen", so Kronthaler.

"Gesellschaft hat Verantwortung"

Sie hielt weiters fest, dass Schwangerschaftsabbrüche zwar in der Entscheidungskompetenz der Frau lägen, die Summe und Motive allerdings ein Politikum seien: "Die Gesellschaft hat eine hohe Verantwortung dabei." Oft führe ein Zusammenwirken vieler Faktoren zu einem Abbruch: "Es wird immer gesagt, dass sich keine Frau einen Schwangerschaftsabbruch wünscht. Die Gründe, die dazu führen, genau zu kennen, wären ein starkes Argument für die Politik, endlich in Prävention und gerechtere Strukturen zu investieren",  so die "Aktion Leben"-Generalsekretärin abschließend. (red)