Konsumenten reagieren auf Mogelpackungen hochgradig gereizt, vor allem wenn "bio" draufsteht und Pestizide drin sind. Schwarze Schafe haben das Vertrauen strapaziert. Der Wildwuchs an Gütesiegeln verwirrt. Dass viele Handelsketten mittlerweile individuelle Qualitätskriterien anlegen, erleichtert den Durchblick nicht gerade.

Ein neuer Skandal trifft die Branche ins Mark. In den Budgets der österreichischen Haushalte ist durch die Krise bereits jetzt weniger Geld für Bio vorgesehen. Wer dafür mehr bezahlt, muss wissen, wofür - ist das auf einmal nicht mehr klar nachvollziehbar, bricht der Markt weg und reißt auch jene Produzenten mit, die den Biogedanken redlich leben.

In Waldviertler Biomehl wurden nun Schadstoffe ausfindig gemacht, die sich nicht einmal in konventionellem hätten finden dürfen. Ob dahinter Irrtümer, bewusste Geschäftemacherei oder feindliche Manipulation stecken, wird sich weisen. Ein Warnsignal, dass Kontrollen nicht mehr greifen, ist es jedenfalls. Das als Einzelfall abzutun wäre fahrlässig.

Fehler im System gehören auch in der heilen Welt der rosa Ferkel und Pioniere auf einsamen Berggipfeln aufs Tableau. Denn das Biogeschäft ist hoch kommerzialisiert, der Preisdruck enorm, der Markt unübersichtlich und intransparent. Nicht nur die Landwirte, auch die Verarbeiter und der Handel gehören schärfer inspiziert und in die Pflicht genommen.

Wie kaum eine andere lebt die Biobranche von Glaubwürdigkeit. Verspielt sie das Vertrauen der Kunden, ist sie für die konventionelle Konkurrenz ein gefundenes Fressen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2009)