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Wie es mit den gut 175 Quelle-Shops in Österreich nach dem endgültigen Aus des Versandhauses weiter geht, steht in den Sternen. Besonders für jene, die ausschließlich auf das Franchise-Geschäft mit Quelle gesetzt haben, sieht es düster aus.

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"Da wissen Sie mehr als ich", sagt Rudolf Grasinger auf die Frage, wie es ihm jetzt nach dem endgültigen Aus für Quelle Österreich gehe. Am frühen Mittwochabend, nachdem das Linzer Versandhaus offiziell w.o. gegeben hat und in Konkurs geht, weiß der Quelle-Shop-Besitzer aus Wien noch nichts davon. Und das ärgert ihn: "Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass wir informiert werden, was passiert", meint er. Seine Frau Elfriede kommt aus dem hinteren Raum und stimmt ihm zu.

Seit dem Jahr 2000 verkauft das Ehepaar neben Kinderwägen und Zubehör, ihrem ursprünglichen Metier, auch Artikel des Quelle-Shops, ein Bekannter habe sie damals auf diese Idee gebracht. "Wir haben das Quelle-Geschäft immer sehr gerne gemacht, es hat auch immer gut funktioniert. Da lief alles sehr stark über die persönliche Betreuung und den persönlichen Kontakt mit den Kunden", erzählt das Ehepaar. Umso mehr ärgern sie sich über den Quelle-Konkurs im Allgemeinen und den Umgang mit den Shop-Besitzern im Speziellen. "Man redet nicht wirklich mit uns, wir haben keine Ahnung, wie das weitergehen soll", erzählen beide.

Forum zum Austausch

Rund 175 Quelle-Shops gibt es österreichweit, das Geschäft  wurde bis dato nach dem Franchise-Prinzip abgewickelt. Die dazugehörige Website erklärt auch immer noch, wen Quelle gerne als Partner hätte. Mittlerweile hätten die Shop-Besitzer ein eigenes Internet-Forum gegründet, wo sie sich austauschen und Informationen weiterleiten können, so Grasinger.

Besonders bitter sieht er die Situation für jene Kollegen, die ausschließlich auf Quelle gesetzt haben. Denen breche mit der Insolvenz des Konzerns der gesamte Umsatz weg. Der Wiener Geschäftsmann erklärt, dass das Quelle-Geschäft auf Provisions-Basis funktioniert habe - zehn Prozent vom Warenwert war der Lohn. "Quelle hat hier sicher auch von den engagierten Verkäufern profitiert, die eben für ihr eigenes Geschäft gearbeitet haben und erst in zweiter Linie für das Großunternehmen", ist sich Grasinger sicher.

Vom Bügeleisen bis zur Waschmaschine steht die Kommissionsware teilweise in den Regalen des Wiener Geschäfts, teils wurde sie direkt für Kunden beim Versandhaus bestellt. Aber das gehe seit dieser Woche ebenfalls nicht mehr: "Seit Montag können wir nichts mehr bestellen. Auch davon hat man uns nicht informiert - plötzlich klappte das Bestellen einfach nicht mehr." Nicht nur das: Die Retourware stapelt sich mittlerweile auch im Laden. Rudolf Grasinger weist auf einen Turm Quelle-Kartons: "Schauen Sie: Es wird nichts mehr geliefert, und auch die Retouren gehen nicht mehr raus."

Geschäft angekurbelt

In den letzten Wochen sei das Geschäft noch einmal ordentlich angelaufen, die Nachrichten über Quelle Deutschland und der dortige Ausverkauf hätten den Verkauf angekurbelt, erzählt Grasinger: "Im Oktober hatten wir sogar ein Umsatzplus von 17 Prozent." Aber seitdem sich die Nachrichtenlage vergangene Woche gerade für die Österreich-Dependance stark verschlechtert habe, ist auch die Nachfrage völlig zum Erlahmen gekommen. "Diese Woche hatten wir so gut wie gar keine Quelle-Kunden mehr."

Und das Ehepaar hat auch eine Erklärung dafür: Die Leute hätten Angst wegen der Garantieleistungen, gerade bei den Elektrogeräten. Grasingers wissen das auch aus eigener Erfahrung: "Wie haben unserer Tochter gerade die Küche komplett mit Privileg-Geräten eingerichtet. Da kann man nur hoffen, dass alle funktionieren und nicht so schnell kaputt werden", meint Elfriede Grasinger.

"Ach, jetzt hab ich ein Mail von Quelle bekommen - jetzt ist es also tatsächlich vorbei", Rudolf Grasinger steht hinter dem Ladentisch und schaut auf den Bildschirm. Das Geschäft in der Wiener Taborstraße, in dem auch sein Quelle-Shop untergebracht war, hatte er von seinen Eltern übernommen. Schon Grasingers Großvater hatte hier einen Laden für Holz- und Spielwaren. Wie es jetzt weitergehen solle, darauf antwortet Grasinger ganz pragmatisch: "Ich weiß es nicht. Aber ab 1. Juni 2010 gehe ich in Pension." (Daniela Rom, derStandard.at, 12.11.2009)