Wien - Auf der Suche nach einem Kompromiss wegen dem umstrittenen Atomprogramm Teherans, ist nun ein weiteres Land für eine mögliche Auslagerung von iranischem Uran ins Spiel gekommen: die Türkei. In Istanbul sollen laut Medienberichten iranische und türkische Vertreter am Montag die Möglichkeit diskutiert haben. Die Türkei, die gute Beziehungen zum Nachbarland Iran pflegt, soll sich als Mediator in dem Konflikt um das iranische Atomprogramm bereiterklärt haben, berichtete die Agentur Reuters.

Russland unterstützt den Vorschlag, iranisches Uran zur Anreicherung in die Türkei zu schicken, sagte der russische Außenamtssprecher Andrej Nesterenko am Mittwoch laut der russischen Agentur RIA Novosti. "Vor kurzem hat (Mohamed) ElBaradei (IAEO-Generaldirektor, Anm.) in der Presse seine Initiative unterbreitet, iranisches Uran zur höheren Anreicherung an ein Drittland zu übergeben, beispielsweise an die Türkei, damit das nukleare Material von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA) überwacht wird, bevor Kernbrennstäbe daraus hergestellt werden. Wir unterstützen diese Variante", sagte Nesterenko. Ihm zufolge rechnet Moskau damit, dass Teheran in der nächsten Zeit diesbezüglich eine offizielle Zusage an die IAEO gibt.

Nachdem einflussreiche iranische Abgeordnete die Führung in Teheran eindringlich aufgefordert hatten, einen Kompromissvorschlag der IAEO zur Uran-Anreicherung im Ausland zurückzuweisen, haben die USA dem Iran einen weiteren Deal angeboten. Über inoffizielle Kanäle ließ Washington Teheran den Vorschlag zukommen, es könne angereichertes Uran in verschiedene Länder, darunter die Türkei, zeitweise auslagern, berichtete die "New York Times" am Montag. Der Vorschlag sei allerdings auf taube Ohren gestoßen, berichtete das Blatt unter Berufung auf US-Regierungsbeamte und Diplomaten.

 

Laut dem ursprünglichen Vorschlag der IAEO sollte der Iran einen Großteil seines Urans zur weiteren Anreicherung nach Russland und Frankreich schicken und sein Atomprogramm verlangsamen. Nach den ablehnenden Reaktionen aus Teheran soll der "New York Times" zufolge IAEO-Generaldirektor ElBaradei dem Iran die jüngsten Vorschläge der USA übermittelt haben. Aus dem Umfeld von US-Präsident Barack Obama verlautete unterdessen, der Präsident werde bis Ende 2009 warten, bevor er endgültig von einer Zurückweisung seiner diplomatischen Bemühungen seitens des Iran sprechen wolle.

Die USA, Israel und weitere westliche Länder bezichtigen den Iran der Entwicklung von Kernwaffen unter dem Deckmantel eines Programms zur friedlichen Nutzung der Atomenergie. Teheran weist alle Anschuldigungen zurück. (APA)