Wien - Der börsenotierte Kartonhersteller Mayr-Melnhof hat in den ersten neun Monaten 2009 mengenbedingt einen Umsatzeinbruch von 11,4 Prozent auf 1,19 (1,34) Mrd. Euro erlitten. Das Betriebsergebnis ging jedoch nur leicht um 0,7 Prozent auf 110,1 (110,9) Mio. Euro zurück. Der Periodenüberschuss erhöhte sich dank des niedrigen Steueraufwands um 2,4 Prozent auf 80,3 (78,4) Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Für das Gesamtjahr gab Mayr-Melnhof keine Ergebnisabschätzung ab. Der Konzern rechnet mit einem weiteren Nachfragerückgang sowie Preisdruck und sogar kurzzeitigen Stillständen.

Mit den Ergebnissen übertraf Mayr-Melnhof die Erwartungen der von der APA befragten Analysten. Diese hatten im Schnitt einen Umsatzrückgang von 12,9 Prozent vorausgesagt. Beim EBIT rechneten die Experten mit einem Minus von 5,6 Prozent, beim Nettogewinn erwarteten sie einen 0,7-prozentigen Rückgang.

Nettoergebnis besser als erwartet

Betriebs- und Nettoergebnis fielen hingegen besser aus als erwartet. Die Experten rechneten mit einem EBIT-Minus von 5,6 Prozent und einem Gewinnrückgang von 0,7 Prozent.

Im dritten Quartal wuchs das Betriebsergebnis auf 39,9 Mio. nach 34,5 Mio. im zweiten Quartal und 30,6 Mio. Euro im dritten Quartal 2008. Auch der Periodenüberschuss lag mit 28,4 Mio. Euro deutlich über dem Vorquartal (Q2 2009: 25,4 Mio.) und dem dritten Quartal 2008 (23,0 Mio.). Die Umsatzerlöse des Konzerns beliefen im dritten Quartal auf 417,1 Mio. nach 443,9 Mio. Euro im Vorjahresquartal.

Bis zur Jahresmitte hatte Mayr-Melnhof mit dem krisenbedingten Preisrückgang bei Altpapier zu kämpfen. Hinzu kam der Einbruch der Karton-Nachfrage auf den europäischen Kernmärkten. In der Division MM Karton gingen die Umsätze daher um 17,7 Prozent auf 565,6 (687,2) Mio. Euro zurück. Aufgrund des Sparkurses konnte das betriebliche Ergebnis dennoch um 15,2 Prozent auf 40,1 (34,8) Mio. Euro gesteigert werden. In den ersten neun Monaten hat das Unternehmen 1,104 (1,228) Mio. Tonnen Karton hergestellt, der Kartonabsatz ging um 12,1 Prozent zurück.

Gesunkene Rohstoffpreise

Ähnlich die Situation im Faltschachtelbereich. Wegen der gesunkenen Rohstoffpreise ist ein enormer Preisdruck entstanden. Zusätzlich forcierten die Mayr-Melnhof-Kunden den Lagerabbau und disponierten sehr kurzfristig. In den ersten neun Monaten wurden 471.000 Tonnen Karton verarbeitet, um 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz der Division MM Packaging ging mengenbedingt um 5,8 Prozent auf 711,2 (755,3) Mio. Euro zurück, das Betriebsergebnis blieb wegen der niedrigen Auslastung mit 70,0 (76,1) Mio. Euro um 8,0 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der Blick in die Zukunft fällt nicht gerade optimistisch aus. "Eine Nachfrageerholung ist aktuell sowohl im Karton- aus auch im Faltschachtelgeschäft nicht in Sicht." Vielmehr rechnet Mayr-Melnhof damit, dass mit der steigenden Arbeitslosigkeit in Europa auch die Konsumenten zunehmend sparen. Daher sei von einer weiterhin kurzfristigen Disposition der Kunden, einer hohen Nachfrage-Volatilität und einem anhaltenden Preisdruck auszugehen.

Für die zweite Dezemberhälfte erwartet der Konzern einen saisonal bedingten "deutlich niedrigeren" Ordereingang als in den Vormonaten. "Selektive und marktbedingte temporäre Stillstände bleiben damit unausweichlich", so das Unternehmen. Wenn Rohstoffe und Energie wieder teurer werden und die Werke unterausgelastet bleiben, kann Mayr-Melnhof eine Belastung der Margen nicht ausschließen. (APA)