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Wieder Hoffnung für die österreichische Wirtschaft: Das BIP stieg im dritten Quartal erstmals seit dem Frühjahr 2008 an.

Foto: AP/JOHN MCCONNICO

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Grafik: APA

Wien - Österreich hat die Rezession überwunden und ist wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt: Erstmals seit dem 2. Quartal 2008 ist die heimische Wirtschaft heuer im 3. Quartal gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr wieder gewachsen, und zwar um 0,9 Prozent. Im Jahresabstand lag das BIP allerdings noch um 2,4 Prozent tiefer; im 2. Quartal hatte das Minus freilich noch 5,3 Prozent betragen. Von einem selbsttragenden Aufschwung könne noch nicht gesprochen werden, warnte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Freitag bei der Präsentation seiner BIP-Schnellschätzung.

Hauptimpulse für das überaus kräftige Wachstum des BIP gingen laut Wifo vom Export und den Bauinvestitionen aus. "Die heimischen und internationalen Konjunkturprogramme scheinen nunmehr ihre Wirkung voll zu entfalten", so Wifo-Experte Marcus Scheiblecker. Seit Mitte 2009 sei das BIP "überaus kräftig" gewachsen. Im 2. Quartal war das BIP gegenüber dem Vorquartal noch 0,5 Prozent gesunken, im 1. Quartal war das Minus zum Vorquartal mit 2,6 Prozent am stärksten gewesen.

Noch keinen Aufschwung, aber erste Indizien für eine Erholung der Wirtschaft, ortet Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) am Freitag. Jetzt gehe es darum die positive Stimmung zu nützen. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal 2009 zeige, dass die konjunkturellen Maßnahmen wirken. 2010 werde insgesamt ein Schlüsseljahr für die österreichische Wirtschaft sein, so Mitterlehner. Wichtig sei jetzt, die österreichische Exportwirtschaft weiter zu stärken, so Mitterlehner. Derzeit gebe es die Möglichkeit für die österreichische Exportwirtschaft Marktanteile zu gewinnen, sagte der Minister. Interessant seien auch Märkte wie die Schwarzmeer-Region. Konjunkturelle Maßnahmen wie die thermische Sanierung oder auch die 13. Familienbeihilfe hätten im dritten Quartal 2009 ihre Wirkung gezeigt, so Mitterlehner. Für den Arbeitsmarkt werde es vom Sozialministerium noch zusätzliche Maßnahmen geben. Ökonomen der Bank Austria hatten am Donnerstag aber für 2010 bereits mit einer Abschwächung der Erholung gerechnet.

Außenhandel angekurbelt

Im 3. Quartal kam laut Wifo die durch umfangreiche staatliche Konjunkturprogramme ausgelöste internationale Belebung der Wirtschaft auch dem heimischen Außenhandel zugute. Davon profitierte auch die österreichische Sachgütererzeugung, erklärte das Institut am Freitag zu seiner BIP-Schnellschätzung für das 3. Quartal. Nach dem Einbruch Ende 2008 und Anfang 2009 sei die Wertschöpfung nun gegenüber der Vorperiode um 4 Prozent ausgeweitet worden (saison- und arbeitstagebereinigt).

Allerdings lag das Produktionsniveau der heimischen Wirtschaft im 3. Quartal noch erheblich unter dem des Vorjahres. Während etwa der Export im weiteren Sinne im Quartalsabstand real um 1,4 Prozent zulegte, ergab sich im Jahresabstand noch ein Rückgang um rund 15 Prozent.

Das stabile, aber geringe Wachstum des Konsums der Privathaushalte hielt an (seit dem 1. Quartal 2009 durchwegs +0,1 Prozent). Während sich die deutliche Verschlechterung der Arbeitsmarktlage dämpfend auswirkt, begünstigen die Steuerreform und die geringe Inflation die Entwicklung, so Wifo-Experte Marcus Scheiblecker in einer Aussendung. Der öffentliche Konsum erhöhte sich gegenüber der Vorperiode real um 1,2 Prozent, doch waren dafür teils Sondereffekte maßgebend.

Mehr Investitionen

Auch die heimische Investitionsnachfrage trug laut Wifo zum Wirtschaftswachstum bei. Die Bruttoanlageinvestitionen wurden gegenüber dem 2. Quartal 2009 real um 1,3 Prozent gesteigert. Dabei ging der Hauptimpuls von den Bauinvestitionen (ohne Wohnbau) aus; die Nachfrage nach anderen Investitionsgütern wies ebenfalls eine Tendenz zur Stabilisierung auf.

Die BIP-Entwicklung für die vergangenen Vierteljahre hat das Wifo teils nach unten revidiert: Im 2. und 1. Quartal ist Österreichs Wirtschaft um 5,3 bzw. 5,2 Prozent eingebrochen und nicht nur, wie noch Mitte September angenommen, um 4,6 bzw. 4,7 Prozent geschrumpft. Die Werte für das 4. und 3. Quartal 2008 ließ das Wifo dagegen jetzt mit -0,3 bzw. +2,3 Prozent unverändert.

Im Quartalsabstand hat sich das Bruttoinlandsprodukt heuer im ersten Vierteljahr um 2,6 statt 2,7 Prozent verringert, im 4. Quartal lag es um 1,1 Prozent tiefer, statt der zuletzt angenommenen -1,0 Prozent, geht aus den neuen Wifo-Daten von Freitag hervor. Im 3. Quartal 2008 war das Minus zum Vorquartal mit 0,7 Prozent ebenfalls größer als davor geschätzt (-0,4 Prozent). (APA)