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Carlos Queiroz schwört seine Portugiesen ein.

Foto: APA&/EPA/Kosters

Wien- Im Wettlauf um die begehrten WM-Fahrkarten sind in Europa acht Länder nur noch zwei Schritte vom Traumziel Südafrika entfernt. Am Samstag und Mittwoch werden in der Barrage die letzten vier Tickets für die Reise vom Alten Kontinent an das Kap vergeben. Spannung ist im Finish der FIFA-Qualifikation, die Österreichs Fußballer seit 1998 nicht mehr geschafft haben, garantiert.

Mit Frankreich, dem Weltmeister 1998 sowie Europa-Champion von 1984 und 2000, und mit Portugal, dem WM-Dritten 1966 und EM-Zweiten 2004, müssen auch zwei Große des Fußballs zittern. Die "Bleus" treten am Samstag in Dublin gegen Irland an, die Iberer haben zuerst in Lissabon Bosnien-Herzegowina zu Gast. Neben den zwei Außenseitern wollen sich auch Slowenien (in Moskau gegen Russland) und die Ukraine (in Athen gegen Griechenland) Denkmäler setzen.

Ausgerechnet auf der letzten Etappe nach Afrika fehlen den Topfavoriten die Topstars wegen Blessuren. Die Franzosen, die in der Quali-Gruppe hinter Serbien und vor dem ÖFB-Team Zweite waren, müssen verletzungsbedingt ebenso schmerzlich auf Franck Ribery (Knie) verzichten wie die Iberer auf ihren 94-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo (Knöchel). Da wie dort macht diese Tatsache die Aufgabe noch schwerer.

Domenech: "Jede Partie könnte deine letzte sein"

Vor allem für den umstrittenen Raymond Domenech, der mit seiner Elf die 2008er-EM nur in der Gruppenphase miterlebte, wäre das Scheitern ein Supergau und wohl sein Ende als französischer Teamchef. Er könnte damit von seiner Vergangenheit eingeholt werden. Das erste seiner acht Teameinsätze als Spieler bestritt er 1974 gegen Irland in der WM-Qualifikation für Deutschland, wo die stolzen "Tricolores" dann letztlich nur Zuschauer waren.

"Das hat in meinen Gedanken keinen Platz, ich lebe nur in der Gegenwart und ich sage mir, jede Partie könnte deine letzte sein. Aber es gibt Spiele, da braucht man keinen Druck von außen", sagte Domenech zu den vielen Geschichten, die in den vergangenen Tagen über ihn geschrieben worden waren. Seine Spieler, die in den Gruppen-Partien enttäuscht haben, würden alles unternehmen, um nach Südafrika zu fahren.

"Wir kennen den unglaublichen Kampfgeist der Iren, die es wie wir unbedingt schaffen wollen", warnte der Franzose seine Spieler, von denen Alou Diarra meinte: "Wir haben viel Respekt, aber keine Angst." Die von Giovanni Trapattoni, dem früheren Feldherrn von Red Bull Salzburg, betreuten Iren haben in den Gruppen-Spielen Weltmeister Italien zweimal an den Rand einer Niederlage gebracht und blieben ungeschlagen.

Sowohl auswärts als auch vor eigenem Publikum gab es ein 1:1. "Unsere Fans im Croke Park werden uns wieder zu Höchstleistungen treiben", ist sich Torhüter Shay Given sicher. Verteidiger Richard Dunne glaubt, dass auch der Vize-Weltmeister in Reichweite ist. "In den jüngsten WM- und EM-Bewerben waren die Franzosen nicht souverän, aber immer dabei. Es wird Zeit, dass wir sie stoppen", meinte der Mann von Aston Villa zuversichtlich.

Cristiano Ronaldo gegen Bosnien auf der Tribüne

In Lissabon wird C. Ronaldo seinen Kollegen von der Tribüne anfeuern, der Superstar ist ebenso wie der Teamchef von einem Happy End überzeugt. "Ich habe keine Zweifel, dass wir uns qualifizieren. Am Samstag wird aber nur die erste Hälfte gespielt, daher müssen wir nicht schon alles klar machen", sagte Carlos Queiroz, der zugab, wie 1998 zuschauen zu müssen, sei nicht auszudenken.

Die Bosnier wissen um ihre Außenseiterrolle, aber die Spieler wissen ebenso, dass das Land 17 Jahre nach seiner Unabhängigkeit von der WM-Premiere träumt. Arbeitslosigkeit und Korruption prägen das Alltagsbild, die Finanzkrise hat alles noch verschlimmert. Jetzt könnte der Fußball für ein paar Tage für das leidgeprüfte Land Ablenkung bringen.

"Mit heißem Herz und kühlem Kopf können wir etwas erreichen", glaubt Sejad Salihovic und sein Teamkollege Vedad Ibisevic meinte: "Wenn wir zu WM fahren, bricht ein neues Zeitalter in unserem Land an." Teamchef Miroslav Blazevic fiebert der größten Herausforderung seiner Karriere entgegen. "Wir benötigen zwei Weltklasse-Leistungen, um Portugal zu eliminieren."

Neben Trapattoni sind in den Showdown mit den Bosniern Samir Muratovic (Sturm Graz) und Admir Vladavic (RB Salzburg) auch zwei in Österreich engagierte Legionäre involviert. "Das ganze Land lebt für diese Spiele. An jedem Tag, an dem wir trainieren, ist das Stadion voll. Wir hoffen auf ein gutes Resultat in Lissabon. Ich habe gehört, dass uns dort 10.000 Fans unterstützen werden", sagte der Sturm-Lenker.

Griechenland um zweite WM-Teilnahme

Für Griechenland würde das erfolgreich Play-off die zweite WM-Teilnahme nach 1994 bedeuten. Die Chancen stehen für Otto Rehhagel und seine Mannen nicht so schlecht, weil die Ukraine um Stürmerstar Andrej Schewtschenko dazu neigen könnten, den Ex-Europameister zu unterschätzen. "Im EM-Jahr 2004 war das nicht anders, da wollte jeder uns als Gegner. Am Ende haben wir den Titel geholt", warnte Theofanis Gekas, der bisher beste Torschütze der Europa-Quali (10 Tore) den WM-Viertelfinalisten.

"Jetzt stehen wir am Ende des weiten Weges, die Spiele bevor, in denen man sich selbst belohnen kann", sagte der 71-Jährige Rehhagel, dessen Widerpart Alexej Michailitschenko von einer 50:50-Chance sprach und eine offensive Spielweise des WM-Teilnehmers 2006 für Athen ankündigte. "Wir wollen in Athen gewinnen. Für uns macht es keinen Unterschied ob wir zu Hause oder in er Fremde antreten", posaunte der Ex-Internationale.

Unterschätzen dürfen die Hellenen den Gegner auf keinen Fall. Die Ukrainer haben in der Gruppe 6 England die einzige Niederlage zugefügt und bremsten damit die Kroaten auf den Weg nach Südafrika noch aus. Die Statistik spricht auch für die in Athen antretenden Osteuropäer. Bisher gab es für sie zwei Siege sowie je ein Remis und eine Niederlage. In der WM-Qualifikation für 2006 siegten sie unter der Akropolis 1:0.

Slowenien in Russland

In Moskau, wo Slowenien antritt, hoffen die Russen auf ihre Stärke und die Referenzen ihres am Sonntag 63 Jahre gewordenen Teamchefs. Guus Hiddink hat schon mit drei Ländern (Niederlande 1998, Australien 2006 und Südkorea 2002) an WM-Endrunden teilgenommen und die Russen, die zum zehnten Mal zu einer WM wollen, zuletzt zur EM 2008 und dort ins Semifinale geführt. "Es geht nicht um meinen Rekord, sondern wir haben ein viel höheres Ziel. Wir müssen alles geben, was wir haben und noch mehr, um uns zu qualifizieren", sagte der Niederländer.

Er mahnte Arschawin und Co zur Vorsicht vor den Slowenen, die in den zehn Gruppen-Partien nur vier Tore kassiert, aber 18 Treffer erzielt und schon einmal ein WM-Turnier (2002) erreicht haben: "Sie verfügen über eine der besten Abwehrreihen und vorne nützen sie jede Chance aus. Wir dürfen sie keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen!" Der Außenseiter, der mit einem Sieg und einem Remis Österreich für die Gruppen-Auslosung der EM-Ausscheidung in den vierten Topf verdrängen würde, fühlt sich in seiner Rolle pudelwohl.

"Russland hat mehr Fußballer als wir Einwohner. Die WM-Teilnahme wäre für uns wahrscheinlich mehr wert, als würde Deutschland Weltmeister", bemühte Köln-Legionär Miso Brecko einen Vergleich. Teamchef Matjaz Kek sieht es ebenso sachlich und sagte: "Russland ist der große Favorit, aber wir werden nicht in Ehrfurcht erstarren." Die Russen haben die Slowenen schon einmal unangenehm zu spüren bekommen.

In der WM-Qualifikation für 2002 siegte der David im September 2001 in Laibach 2:1 und trotzte dem "Bären" in dessen Refugium ein 1:1 ab. Die Bilanz ist nach drei Länderspielen völlig ausgeglichen. Ihre einzige WM-Teilnahme sicherten sich die Slowenen 2001 in der Barrage gegen Rumänien, nach einem 2:1 daheim genügte ein 1:1 auswärts für die Fahrkarte nach Südkorea und Japan 2002. (APA)

Samstag, 14. November:

17:00 Moskau Russland - Slowenien
19:00 Athen Griechenland - Ukraine
21:00 Dublin Irland - Frankreich
21:30 Lissabon Portugal - Bosnien-Herzegowina

Mittwoch, 18. November:

19:00 Donezk Ukraine - Griechenland
20:45 Marburg Slowenien - Russland
20:45 Zenica Bosnien-Herzegowina - Portugal
21:00 Paris Frankreich - Irland