Thomas Förster: "Große Handelsschiffe des Spätmittelalters" (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 67), 376 Seiten, illustriert, Convent Verlag, Kuden

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Bremerhaven - Ozeanriesen vergangener Tage - und zwar speziell solchen, denen ein unglückliches Schicksal beschieden war - widmet das Deutsche Schiffahrtsmuseum den neuen Band seiner wissenschaftlichen Schriftenreihe. Im Mittelpunkt von Thomas Försters "Große Handelsschiffe des Spätmittelalters" stehen zwei hansezeitliche Wrackfunde aus der Ostsee, die am Gellen an der Südspitze der Insel Hiddensee und vor Timmendorf an der Westküste der Insel Poel entdeckt, untersucht und geborgen wurden.

Das "Poeler Wrack" von 1369 und das "Gellenwrack" von 1378 zeigen, dass die Schiffsform durch das Fahrtgebiet, die Frachten und auch durch die beherrschten Bautechnologien geprägt wurde. Anhand der beiden Schiffsfunde ist laut Förster der Nachweis gelungen, dass in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine sprunghafte Erhöhung der Ladekapazität der Handelsschiffe stattfand. In der Blütezeit der Hanse bedeutete die Vergrößerung des Transportraumes auf Schiffen eine Profitmaximierung bei den Hanse-Kaufleuten. Das Bestreben nach einer größeren Ladekapazität führte im Schiffbau zu neuen Entwicklungen, die sich an der Konstruktion der beiden Wrackfunde nachweisen lassen.
Die Fertigung einer Replik des Poeler Wrackfundes erlaubte ein genaues Studium der traditionellen Schiffbautechnologien. Zugleich konnten an dem originalgetreuen Nachbau der "Poeler Kogge" moderne schiffstheoretische Berechnungen durchgeführt werden. Die Analyse des noch erhaltenen Schiffsinventars ermöglicht Aussagen zu Ladungsgütern und Fahrtrouten, zur Seemannschaft und zum Alltagsleben an Bord.

Fundgrube

Generell bietet die Ostsee der Unterwasserarchäologie ein reichhaltiges Fundreservoir. Die frühe Nutzung als Verkehrsweg durch den Menschen und sehr günstige Erhaltungsbedingungen für archäologische Funde sorgten dafür, dass hier Schiffswracks aus verschiedensten historischen Epochen bewahrt blieben. Allein im Bereich der deutschen Ostseeküste vor Mecklenburg-Vorpommern gelang in den letzten Jahren der Nachweis von annähernd 1.500 Schiffswracks. (red)