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Es wird wieder in die Hände gespuckt. Der produzierende Sektor wuchs im dritten Quartal am stärksten. Die Industrie sieht dennoch keinen Aufschwung und befürchtet eine Stagnation.

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Österreichs Wirtschaft ist im ersten Halbjahr um mehr als fünf Prozent geschrumpft. Das erklärt zum Teil auch die gute Entwicklung im dritten Quartal, mit der die Rezession zu Ende gegangen scheint.

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Wien - Während die Konkjunkturprognosen laufend hinaufgeschraubt werden, verhält es sich mit der rückwärts gewandten Statistik umgekehrt. Österreichs Wirtschaft ist viel stärker eingebrochen als bisher angenommen. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal 2009 machte der Einbruch gegenüber den Vergleichsperioden des Vorjahres nach einer Revision von rund einem halben Prozentpunkt mehr als fünf Prozent aus. Damit fiel die Rezession deutlich tiefer aus als in der EUund in der Eurozone.

Hinter den Kulissen ist zu hören, dass Auftragsstornos und Sistierungen sowie Preis-Nachverhandlungen in der Statistik Austria nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Auf Basis ihrer Daten sowie aus einer Umfrage unter 1100 Unternehmen kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut zu seiner Schnellschätzung.

Drittes Quartal besser

Der schärfere Abschwung im ersten Halbjahr lässt nun auch das dritte Quartal in Österreich besser erscheinen, bestätigt Wifo-Experte Marcus Scheiblecker. Mit einem Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr verließ das Land ebenso wie die gesamte EU die einjährige Rezession. Gegenüber dem dritten Quartal 2008 beträgt das Minus aber immer noch 2,4 Prozent. Am stärksten zum Plus trug die Sachgüterproduktion mit einer Steigerung um vier Prozent bei. Dass die Exporte weit schwächer stiegen, deutet darauf hin, dass Industrie und Gewerbe wieder die Lager füllen. Eine Verbesserung gab es nach den Wifo-Daten auch im Bauwesen (ohne Wohnbau), der laut Scheiblecker von den öffentlichen Konjunkturanreizen im Straßen- und Schienenbau profitierte.

Das Plus bei Produktion und Bau geht einher mit einem Zuwachs bei den Investitionen, die am stärksten unter der Krise gelitten haben. Industrie-Ökonom Christian Helmenstein sieht in der Erholung allerdings "keinen Aufschwung, weil wir von einer normalen Kapazitätsauslastung weit entfernt sind" . In den nächsten Quartalen werde sich das Wachstum wieder deutlich abschwächen, sagte er zum STANDARD. Insbesondere im Bau seien die Aufträge rückläufig.

Privatkonsum entwickelt sich mäßig

Mäßig entwickelt sich weiterhin der private Verbrauch, der seit mehr als einem Jahr von Quartal zu Quartal um 0,1 Prozent steigt. Höhere Lohnabschlüsse und Steuerreform vermieden somit einen Absturz, konnten aber keine echten Impulse geben.

Wie Österreich trottete die ganze EUvon Juli bis September des Jahres aus der Krise und legte um 0,2 Prozentpunkte zu. Während Deutschland um 0,7 wuchs, steckt Großbritannien weiterhin in der Rezession. Die Eurozone entwickelte sich auch deshalb besser als die gesamte Union. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.11.2009)