Wien - Die Finanzchefs der 50 größten österreichischen Unternehmen sprechen sich für eine privatwirtschaftlich organisierte "Bilanzpolizei" aus. Eine solcherart eingerichtete Enforcementstelle zur Überwachung der Einhaltung von Rechungslegungsvorschriften wäre effizienter als das reine "Behördenmodell", so Franz Hiesinger, Finanzchef der Mondi AG und Vorstandsmitglied des neu gegründeten CFO Club Austria. Österreich sei das einzige Land, das die EU-Transparenzrichtlinie in diesem Punkt noch nicht umgesetzt habe.

Finanzminister Josef Pröll hat sich dagegen zuletzt für das "Behördenmodell" ausgesprochen. Demnach dürfte die FMA die Bilanzaufsicht für die 165 in Wien börsenotierten Unternehmen und Wertpapier-Emittenten übernehmen und Hausdurchsuchungen auch alleine durchführen dürfen. Die zugesagte Erweiterung der Ermittlungsbefugnisse und die Verschärfung der Sanktionsmöglichkeiten würden "unsere Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung entscheidend verbessern", hieß es dazu Mitte Oktober aus der FMA. Ohne diese Erweiterung könnte die FMA die Zahlungsflüsse nur in Banken und Versicherungen überprüfen.

Die derzeit 46 im CFO Club Austria vertretenen Finanzchefs und Wirtschaftsprüfer argumentieren dagegen damit, dass die Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften aus Sicht der Investoren zu treffen sei, zu deren Schutz das System errichtet wird. Dafür sei das Zweistufenmodell besser geeignet. Dieses habe sich in Deutschland bereits bewährt und sei auch vom Institut der Österreichischen Wirtschaftsprüfer (IWP) empfohlen worden. Die CFO's seien bei der Erarbeitung der Standards international viel zu wenig eingebunden, meinte Bernard Gröhs, Partner Deloitte Österreich, und Kassier im CFO Klub.

Altbekannte Forderungen

An die Regierung stellen die Finanzchefs noch weitere - teils altbekannte Forderungen, wirtschafts- und steuerpolitischer sowie juristischer Natur. "Uns erscheint es sinnvoll, den Dschungel an steuerlichen Maßnahmen zu lichten", so Hans Tschuden, CFO der Telekom Austria. Die Finanzchefs sprechen sich etwa für die Abschaffung der Vertragsgebühren (auf Darlehens-, Kredit- und Mietverträge) und die Abschaffung der Gesellschaftssteuer aus. Diese verursache nur unnötige Kosten und bringe dem Staat nur 89 Mio. Euro.

Weiters wird die Berücksichtigung von Verlusten gefordert, wie die steuerliche Berücksichtigung von Beteiligungsabwertungen, die Abschaffung der 75 Prozent Verlustverwertungsgrenze und die Einführung eines dreijährigen Verlustrücktrages für die Jahre 2009 und 2010. An Investitionsförderungen wird vorgeschlagen, eine befristete Investitionsprämie für Infrastruktur- und Umweltschutzinvestitionen einzuführen. Die heuer eingeführte vorzeitige Abschreibung sollte um Desinvestitionsanreize ergänzt werden. So sollte die Übertragung stiller Reserven (§ 12 EStG) auch wieder für Kapitalgesellschaften gelten.

Im Zusammenhang mit der Kurzarbeitsunterstützung, die der Dienstgeber an die Dienstnehmer auszahlt, schlagen die Finanzchefs vor, diese auch frei von Lohnnebenkosten und Sozialversicherungs-Beiträgen zu stellen.

Der Verein CFO Club Austria sieht sich selbst als überparteiliche Plattform der Finanzchefs der 50 führenden österreichischen Unternehmen. Ziel sei die Verbesserung der Rahmenbedingungen für österreichische Unternehmen durch Einflussnahme auf wesentliche Unternehmens-Themen, sagte Vereins-Präsident Hannes Bogner, im Brotberuf CFO der Uniqa-Versicherung. Die derzeit 46 Mitglieder-Unternehmen repräsentieren 70 Prozent der börsennotierten ATX-Unternehme, beschäftigen zusammen 600.000 Mitarbeiter und haben eine Bilanzsumme von 400 Mrd. Euro. (APA)