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In Russland wird Wodka, das beliebteste "Wässerchen" des Landes, oft billiger angeboten als ein Mittagessen.

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Als "nationale Katastrophe" bezeichnete der russische Präsident Dmitri Medwedew den Alkoholismus in Russland. Um dieser Katastrophe Herr zu werden, will die Regierung nun den Preis des liebsten "Wässerchens" der Russen gesetzlich regeln. Ab 1. Jänner gilt ein Mindestpreis von 89 Rubel (rund zwei Euro) für eine 0,5-Liter-Flasche Wodka und alle anderen Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 28 Prozent.

Die staatliche Preisregulierung ist nur eine der Maßnahmen, die Medwedew im Kampf gegen den Alkoholismus vorgeschlagen hat. So soll etwa Bier künftig nur noch in 0,33-Liter-Flaschen verkauft werden dürfen. In den vergangenen Jahren erfreuten sich insbesondere drei oder fünf Literflaschen aus Plastik großer Beliebtheit. Außerdem ist ein Alkoholverbot auf Flughäfen geplant.

Der übermäßige Konsum von Wodka und harten Spirituosen ist in Russland längst zu einer Bedrohung für die demographische Entwicklung geworden. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern liegt nur bei 61 Jahren. Jeder vierte Todesfall lässt sich laut einer Studie der russischen Gesellschaftskammer auf Alkohol zurückführen. Jährlich sterben eine halbe Million Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.

18 Liter reiner Alkohol

Laut russischem Gesundheitsministerium trinken die Russen pro Kopf rund 18 Liter reinen Alkohol im Jahr. In Österreich sind es 10,6 Liter pro Jahr. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation liegt die gesundheitsgefährdende Grenze bei acht Liter reinen Alkohol.

Die niedrigen Preise für Alkohol sind mit ein Grund, warum die Russen gerne zu Flaschen greifen. Ob die Preisregulierung das Konsumverhalten ändern wird, ist allerdings fraglich. "Für Wodka haben die Russen immer Geld" , meint Sergej, Taxifahrer in Samara. Gespart werde in Krisenzeiten hingegen bei den Sakuski, jenen Happen, die in Russland zum Wodka gegessen werden.

Zudem besteht in Russland ein riesiger Graumarkt, der keiner Preisregulierung unterliegt. Unter der Hand wird aus den Fabriken abgezweigter Wodka oder gepanschter Alkohol verkauft. Allein in der ersten Hälfte 2009 stellte die Polizei mehr als 2,8 Millionen Liter gepanschten Alkohol sicher. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2009)