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Die Palins auf Werbetour bei Oprah Winfrey (Zweite von re.): Mutter Sarah mit den Töchtern Piper (li.) und Willow.

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Also warum? Warum Sarah Palin zurückgetreten ist vom Gouverneursamt in Alaska, will Oprah Winfrey wissen. "Sie sagten, Sie könnten Alaska besser dienen, wenn Sie nicht mehr Gouverneurin sind. Ich verstehe das nicht", sagt die Talkshow-Queen und schaut so ratlos drein wie Michael Moore, wenn ihm ein stotternder Broker den Sinn von Derivaten erklärt. Sie ziehe sich ja nicht zurück, sie lade nur nach, antwortet Palin, passend zu ihrem Image als Elchjägerin. "Heißt das, dass Sie nachladen für 2012?"

Darauf wüssten die Amerikaner gern eine Antwort. Und Sarah Palin, die vor Ehrgeiz brennende Hockey-Mum, versteht es, die Gerüchteküche am Kochen zu halten. Im Juli warf sie in Alaska das Handtuch. Ob sie die Provinzbühne nur verließ, um 2012, beim nächsten Duell ums Weiße Haus, gegen Barack Obama anzutreten? "Das ist zurzeit nicht auf meinem Radar", wiegelt die frühere Schönheitskönigin ab. 2012 sei das Jahr, in dem ihr Sohn Trig, ein Junge mit Down-Syndrom, in den Kindergarten gehen solle.

Dabei feiert das Glamourgirl der Republikaner nach kurzer Auszeit ein Comeback, wie es effektvoller kaum sein könnte. Wie im Akkord tingelt Palin, vor zwölf Monaten als Vizepräsidentschaftskandidatin gescheitert, durch die Studios. Am Montag die Premiere bei Oprah, ab Dienstag eine Interviewserie mit Barbara Walters, der Grande Dame des Fernsehjournalismus. Es folgt eine Lesetournee durch Kleinstadt-Amerika, von Grand Rapids in Michigan bis Fort Bragg in North Carolina. Der Verlag Harper Collins hat ihr Buch Going Rogue in erster Auflage anderthalb Millionen Mal drucken lassen und ihr einen Vorschuss von 1,25 Millionen Dollar gezahlt. Dass sie im Bus durchs Land reist, beflügelt die Spekulationen. Es erinnert an John McCain, riecht nach einer Bewerbung ums höchste Staatsamt, wenn auch eine (noch) nicht erklärte.

Im rechten Flügel der Republikaner rollen sie der glaubensstrengen Christin schon jetzt den roten Teppich aus. "Die Zukunft liegt in ihren Händen, mehr als bei irgendwem sonst in unserer Partei" , wirbt Newt Gingrich, der stramme Ideologe. Abtreibungsgegner feiern sie auf Pro-Life-Kongressen, wo immer sie auftritt, bilden sich lange Warteschlangen. Allein dass jemand solche Leidenschaft weckt, hat Seltenheitswert unter den Konservativen, denen momentan die Zugpferde fehlen.

Nur gilt Palin eben auch als inkompetent, seitdem sie sich bei zwei, drei Interviews im letzten Wahlkampf blamierte. Das Pikantere an den Bildern aus St. Paul ist allerdings, dass damals einer zum engsten Familienkreis gehörte, der heute im Dauerclinch mit der Politikerin liegt. Levi Johnston, der Beinahe-Schwiegersohn, Vater von Palins Enkelkind Tripp. Im Magazin Vanity Fair beschreibt er die Ehe der Palins als Farce. Der Vater sei nie da, Tochter Bristol schmeiße den Laden, weil die Mutter zu faul sei. Als man Sarah einmal ihren kleinen, behinderten Sohn reichte, habe sie nach dem anderen Baby verlangt, nach Enkel Tripp, dem Gesunden, berichtet Levi. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2009)