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Hauptsache es schmeckt. Der Bananenstreit entzweite bisher die EU und zahlreiche Staaten in Lateinamerika, nun gibt es eine Einigung.

Foto: AP

Wien - Banane ist nicht gleich Banane. Kaufen, schälen, essen. Die Welt könnte so einfach sein. Aber weil's ums große Geld geht, ist sie das nicht. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist der als Bananenkrieg bekannte Disput zwischen der EU und mehreren lateinamerikanischen Staaten gelöst worden. Der Streit war der längst andauernde Konflikt bei der Welthandelsorganisation WTO.

Im Kern der Auseinandersetzung geht es um die Verzollung der gelben Frucht. Die EU, allen voran Frankreich, England und Spanien, bevorzugt Importe aus seinen früheren Kolonien. Einfuhren aus den AKP-Staaten (AKP steht für afrikanische, karibische und pazifische) werden daher beim Zoll begünstigt.

Verlierer dieses Regimes waren bisher Bananen produzierende Länder in Lateinamerika und die dort tätigen großen US-Konzerne Chiquita, Dole, Del Monte.

Dieses Match "Dollar-Banane" gegen "AKP-Banane" ist älter als die WTO. Der Handelskrieg tobte bereits innerhalb des WTO-Vorgängerregimes Gatt (General Agreement on Tarifs and Trade). Die EU ging zunächst mit Quoten, später mit Zöllen gegen Dollar-Bananen vor. Vor der WTO waren zuletzt acht Verfahren im Bananen-Fall anhängig, zu den Beschwerdeführern zählten Ecuador, Panama und Kolumbien. Aber auch die USA hatten inzwischen ein Verfahren eingeleitet.

Gemäß der noch nicht offiziell bestätigten Einigung sollen die EU ihre Zölle für Dollar-Bananen von derzeit 166 Euro je Tonne auf 114 senken.

Das könnte Bananen auch in Österreich billiger machen. Denn Österreich importiert wie die meisten nordeuropäischen Staaten ohnehin fast nur Dollar-Bananen, die meisten Einfuhren stammen aus Costa Rica und Ecuador. "Wenn eine Zollsenkung kommt, wird sie an die Kunden weitergegeben werden", sagt der Linzer Bananenimporteur Josef Mathy, "der Handel werde darauf bestehen".

Die Preissenkung wird sich aber in Grenzen halten: Für die Importeure dürfte das Kilo Bananen um sechs Cent billiger werden.

Keine Freude herrscht hingegen bei den AKP-Staaten, verlieren sie doch ihre bisherigen Preisvorteile in der EU.

Definitionsfrage Kartoffel

Die AKP-Länder hatten in der Vergangenheit wiederholt vor einer Gleichstellung der Bananen gewarnt, das würde die Einkommen der lokalen Landbevölkerung massiv schmälern, heißt es von Seiten der AKP-Vertretung in Brüssel, die am Mittwoch noch eine offizielle Erklärung vorbereiten wollte.

Die Financial Times meldete, dass die EU im Gegenzug den AKP-Ländern 190 Millionen Euro zusätzlich an Entwicklungshilfe zugesagt hat.

Bei der Welthandelsorganisation WTO hingegenerhofft man sich nun positive Impulse für den Freihandel. Der Bananenstreit müsse in einem größeren Kontext gesehen werden, heißt es unter vorgehaltener Hand. Im Rahmen der laufenden Doha-Welthandelsrunde ist die zoll- und quotenrechtliche Behandlung tropischer Früchte, darunter Bananen, ebenfalls Thema.

Industriestaaten haben dabei zwar versprochen, Barrieren zu senken. Zahlreiche Punkte waren bisher umstritten, etwa was überhaupt als tropische Frucht gelten soll. Gestritten wird auch über die zollrechtliche Behandlung von Kartoffeln.

Die Einigung zwischen der EU und den lateinamerikanischen Staaten könnte nun zumindest ein "psychologisch positives Signal" an die Doha-Runde sein, heißt es bei der WTO. Die Behandlung tropischer Früchte sei natürlich nicht das zentrale Problem der Freihandelsrunden, für einige Staaten sei die Frage aber lebenswichtig. Im vergangenen Jahr importierte die EU Bananen im Wert von rund drei Milliarden Dollar. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2009)