London - Oliver Marach vertritt Österreich ab Sonntag in London beim größten Tennis-Indoor-Event aller Zeiten. Der steirische Doppel-Weltklasse-Spieler hat sich mit dem Polen Lukasz Kubot fürs ATP-World-Tour-Finale in der O2-Arena qualifiziert und misst sich dort mit den Besten der Welt. Marach/Kubot, in England als Nummer 6 gesetzt, treffen in Gruppe B auf Bob und Mike Bryan (USA), Lukas Dlouhy/Leander Paes (CZE/IND) und Max Mirnyi/Andy Ram (BLR/ISR), die Top Zwei des Pools steigen ins Halbfinale auf.

"Das ist sicher der vorläufige Höhepunkt meiner Karriere. Unsere Qualifikation ist eine große Überraschung. Denn zu Jahresbeginn waren wir nicht einmal unter den Top 70 der Weltrangliste. Da hätte niemand gedacht, dass wir am Ende beim Masters mitspielen dürfen", meinte Marach vor seinem Abflug nach London. Die Vorfreude beim 29-Jährigen ist trotz bereits müder Muskeln nach einer langen Saison groß. "Wir spielen gegen die Besten der Welt, das ist ein gutes Training. Aber wir wollen natürlich so gut wie möglich mithalten und so weit wie möglich kommen. Unser Ziel ist das Halbfinale."

Am Mittwoch ist Marach von einem dreitägigen Training in Prag in seine Heimat nach Graz zurückgekehrt, am Donnerstag flog er nach London. Dort wartet ein großes Tennis-Spektakel. "Das wird unmenschlich. Wir haben sogar einen eigenen Bootsfahrer, der uns vom Hotel zur Halle bringt. Hoffentlich können wir uns bei all dem Rummel und der Aufregung aufs Spielen konzentrieren", berichtete Marach, der nach Thomas Muster (viermal im Einzel) und Julian Knowle (einmal im Doppel) der dritte Österreicher beim Saisonfinale ist.

Die besten Doppel- und Einzel-Spieler der Welt werden in den kommenden fünf Jahren in der O2-Arena auftreten, die am Ufer der Themse liegt. Die Anreise der Akteure von ihrem Hotel im Zentrum von London erfolgt deshalb per rund 30-minütiger Bootsfahrt, damit sie nicht im unerträglichen Auto-Verkehr von London feststecken. Zudem soll Marach und Co. gleich eine kleine Möglichkeit zum Sightseeing geboten werden.

Über die charakterlichen und sportlichen Stärken seines Doppel-Partners Kubot, mit dem er 2009 die Titel in Wien, Belgrad und Casablanca gewonnen und bei den Australian Open das Halbfinale erreicht hat, meinte Marach: "Er ist ein sehr ehrlicher Typ und sehr harter Arbeiter, der manchmal sogar zu viel trainiert. Manchmal sollte er Qualität vor Quantität stellen. Lukasz spielt sehr geradlinig und ist einer der besten Retournierer auf der Tour." Kubot ist auch im Einzel-Ranking auf dem Weg nach oben (Rang 89), im Oktober hat er u.a. Andy Roddick bezwungen.

Bei aller Vorfreude aufs Masters, "auf den Urlaub freue ich mich auch schon sehr", gestand Marach. London ist für ihn bereits die 32. Turnierwoche in diesem Jahr, neben dem Spielen kostet vor allem das Reisen Substanz. Deshalb bricht Marach am 29.11. mit seiner Gattin Jessie Richtung Panama auf, nach einer Trainingseinheit mit Benjamin Becker am 30.11. in Miami geht es am 1.12. für acht Tage in die Karibik. Dort werden Marach und Jessie gleichzeitig ihre Hochzeitsreise nachholen, denn seit 4. Juli ist das Paar verheiratet, ausgiebig genießen konnten sie dies aber bisher nicht.

Im Einzel führt der Weltranglisten-Erste Roger Federer das Feld an, Rafael Nadal könnte den Schweizer eventuell von der Spitze der Rangliste stürzen. Aktuell weist Nadal 945 Punkte Rückstand auf Federer auf, in London sind im Falle von Siegen in allen Partien 1.500 zu erobern. Der Kartenvorverkauf läuft prächtig, weshalb Turnierdirektor Chris Kermode meinte: "Wir haben bereits knapp 260.000 Karten verkauft, damit veranstalten wir das größte Indoor-Tennis-Event der Geschichte. Das Interesse ist phänomenal und zeigt, dass England nicht nur in den zwei Wimbledon-Wochen am Tennis interessiert ist."

Die Hoffnungen der britischen Fans ruhen auf den Schultern des Schotten Andy Murray, der in eine Gruppe mit Federer, gegen den er in neun Spielen sechsmal gewonnen hat, gelost worden ist. Sollte ein Spieler alle drei Gruppenspiele und danach das Turnier gewinnen, würde er 1,63 Mio. Dollar (1,09 Mio. Euro) einstreifen. Das wäre mehr als Federer für seinen diesjährigen Wimbledon-Triumph kassiert hat (956.074 Euro). (APA)