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Serdar Somuncu (*1968)

Foto: APA

Heikle Themen als Spezialität: Kabarettist und Schauspieler Serdar Somuncu hat 1996 Teile von Hitlers "Mein Kampf" öffentlich vorgelesen, um die inneren Widersprüche des Machwerks komisch herauszuarbeiten und zu kommentieren. Mit der Tournee Nachlass eines Massenmörders erreichte Somuncu mehr als 250.000 Menschen - nicht schlecht für einen "eingedeutschten Kanaken", so die ironische Selbstbeschreibung des 1968 in Istanbul geborenen Deutschtürken, der in Düsseldorf lebt.

Mit einer Mischung aus Provokation und Humor macht man sich natürlich nicht nur Freunde. Neonazis störten seine szenischen Lesungen, Bomben- und Morddrohungen sind keine Seltenheit. Auch Fundamentalisten aller Couleur verstehen keinen Spaß: Etwa wenn er im neuen Programm Der Hassprediger Zitate aus Reden von Bin Laden bis Roland Koch gegenüberstellt. Dabei darf man in einem "demagogischen Blindtest" rätseln, welche Worte von wem stammen.

Bei all seinen Tabubrüchen geht es dem Aufklärer aber nicht nur um Lacher - auch sich selbst und die Komplizenschaft des erheiterten Publikums stellt er gerne infrage. (dog / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2009)