Wien - Die Afghanistan-Strategie von USA und Nato erweist sich als Sackgasse - und die Forderungen nach einer regionalen Herangehensweise bekommen neues Gewicht. Ein geschlossener Workshop des Kreisky-Forums und des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement der Landesverteidigungsakademie versuchte am Donnerstag und Freitag zu ergründen, wie die Interessenlage der Regionalstaaten, allen voran des Iran, in Afghanistan aussieht. In eine regionale Lösung müssten auch Russland, Indien und China eingebunden sein, abgesehen von der tiefen Involviertheit Pakistans. Und selbstverständlich ist auch Saudi-Arabien ein Player.

Von einem Iraner - aus dem Seminar darf nicht namentlich zitiert werden - kam auf die Frage nach dem afghanischen "worst case"-Szenario die Antwort: "die Niederlage der USA und der Nato". Ähnlich wie beim Irak hat Teheran kein Interesse daran, dass Afghanistan völlig zusammenbricht, aber auch keines, dass es den USA dort zu gut geht: Der Iran wolle ein "Gleichgewicht der Spannungen", formulierte es ein Teilnehmer. Viel wichtiger als ein US-Abzug sei jedoch für Teheran, bei den Sicherheitsarrangements mitreden zu können.

Russland und Iran

Auch über die russische Interessenlage wurde referiert, die der iranischen insofern gleicht, als die Russen ebenfalls ein US-Scheitern in Afghanistan nicht wünschen - genauso wenig wie einen US-Sieg. Und während die Russen mit Unbehagen auf eine mögliche iranisch-amerikanische Annäherung schauen, sehen die Iraner mit großer Sorge die neue Harmonie zwischen Moskau und Washington - deren direktes Produkt bereits die russische Verzögerungstaktik bei der Inbetriebnahme des iranischen Kraftwerks Bushehr sein könnte.

Die innerafghanische Situation wurde eher pessimistisch diskutiert - wobei Konsens herrschte, dass mit Hamid Karsais Rivale Abdullah Abdullah als Präsident die Lage keineswegs besser wäre.(Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2009)