Hamburg - Gegen das Handelsunternehmen Tengelmann laufen nach einem Medienbericht Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung. Tengelmann stehe in Verdacht, mit Hilfe eines früheren Mitarbeiters der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers Rechnungen rückdatiert zu haben, um sich damit zu Unrecht Stromsteuer in Höhe von 11 Mio. Euro zurückzahlen zu lassen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.

Tengelmann nutzte dem Bericht zufolge eine Ausnahme von der 1999 eingeführten Stromsteuer, die das produzierende Gewerbe entlasten soll. Laut Ermittlern habe das Unternehmen die Tengelmann Energie GmbH (TEG) gegründet, die sich Kühlschränke, Klimaanlagen und Heizungen von Einzelhändlern der Tengelmann-Gruppe wie Kaiser's, Plus und Kik übertragen ließ. TEG verkaufte ihnen nun Kälte, Wärme und Licht und trat so als Energieproduzent auf, der sich die Stromsteuer von derzeit 2,05 Cent pro kWh teilweise erstatten lassen darf.

Um für die Jahre 2005 und 2006 an die Steuererstattung zu gelangen, seien 2007 entsprechende Verträge rückdatiert worden, so der "Spiegel" weiter. Insgesamt seien der TEG rund 55 Mio. Euro Stromsteuer erstattet worden. Ob die TEG überhaupt als produzierendes Unternehmen hätte anerkannt werden dürfen, ist in den zuständigen Behörden umstritten. Der Verdacht liege nahe, dass die Steuererstattung der eigentliche Geschäftszweck gewesen sei, heißt es dem Bericht zufolge in einem internen Papier. Die Unternehmen wollten sich wegen der laufenden Ermittlungen zu den Vorwürfen nicht äußern. (APA)