Wien - Der russische Oligarch Oleg Deripaska denkt nun länger über seinen Wiedereinstieg beim österreichischen Baukonzern Strabag nach als erwartet. Die Call Option auf sein 25 Prozent schweres Anteilspaket im Wert von fast einer halben Milliarde Euro wird er heuer nicht mehr ausüben, sondern frühestens im Oktober 2010. "Oleg Deripaska hat uns mitgeteilt, dass er die Frist verlängern und die dafür vereinbarte Prämie zahlen möchte", sagte Vorstandssprecher Christian Ebner heute Montag. Das Zuwarten bis zum 15. Oktober kostet den Russen 45,87 Mio. Euro. Derzeit hält er eine Namensaktie an dem Unternehmen.

Deripaska hätte im Falle der Ausübung im Dezember 18 Euro je Aktie bezahlen müssen - der spätere Kauf kostet ihn hingegen 19,25 Euro pro Anteilsschein, in Summe also um 35,6 Mio. Euro mehr, denn 28,5 Mio. Stück Aktien wurden verpfändet. Die Optionsverlängerung wird rechtlich wirksam, wenn die Optionsprämie bis zum 18. Dezember 2009 bezahlt wird.

Seit der Umschuldung leistet die Rasperia Trading Limited von Deripaska monatliche Zinszahlungen in Höhe von rund 3 Mio. Euro an die Kreditgeber. Die Zahlungsfrist für seinen 460 Mio. Euro schweren Kredit zur Finanzierung seines Anteilspakets (25 Prozent plus 1 Aktie) war heuer im April bis Jahresende (20. Dezember) erneut erstreckt worden. Ursprünglich wäre die Zahlung bereits heuer im Februar fällig gewesen. "Nächstes Jahr läuft die Option auf jeden Fall aus", so Ebner.

Anteile als Sicherheit

Der russische Kernaktionär konnte den Kredit, der mit Strabag-Anteilen besichert war, nach Kursverlusten seiner Unternehmensbeteiligungen nicht bedienen. Als Sicherheit hinterlegte er seine Anteile.

Nach Ablauf einer ersten Fristerstreckung bis 3. April sprach Raiffeisen-Holding-Chef Christian Konrad mit Deripaska. "Wir werden die Bedingungen so gestalten, dass er bis Ende 2009 Zeit erhält und erst dann über seinen Verbleib als Aktionär entschieden wird", hatte er damals angekündigt. Die Perspektiven in Russland seien weiter gegeben, die Strabag entwickle sich gut. Deripaska solle, wenn es irgendwie geht, der Strabag als Gesellschafter erhalten bleiben.

Daraufhin hatte Rasperia bis Jahresende 2009 Zeit bekommen, ihre beim Strabag-Aktienerwerb angehäuften Verbindlichkeiten zu refinanzieren.

Deripaska stieg im April 2007 bei der Strabag ein - damals noch um fast 1,2 Mrd. Euro (42 Euro je Aktie). Beim Börsengang des Konzerns im darauffolgenden Herbst 2007 war der Wert seines Pakets auf gut 1,3 Mrd. Euro gestiegen. Der Emissionskurs für die Kleinanleger betrug damals 47 Euro je Aktie. Die Strabag hatte für ihre Börsenstory auf langfristiges Russland-Wachstum gesetzt.

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien hält gemeinsam mit der UNIQA-Gruppe 25 Prozent plus 1 Aktie an dem Baukonzern. Weitere Eigentümer sind die Haselsteiner-Gruppe (25,15 Prozent). Rasperia Trading hat ihren Anteil von 25 Prozent plus 1 Aktie an Haselsteiner und Raiffeisen/Uniqa verpfändet. Der Streubesitz an der Wiener Börse beträgt 24,85 Prozent. (APA)