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Der Poker-Boom hält an: Statt Präferenz-Punkte für Kursplätze zu setzen, pokern die Studenten auch mit richtigen Chips.

Foto: APA/Gindl

Innsbruck/Wien - Das Pokerface sitzt, die Hand ist ruhig, und Coolness ist gefragt. Die Innsbrucker Sowi-Mensa ist voll junger Leute, die zur Abwechslung nicht das Ziel haben, sich den leeren Bauch mit günstigem Essen zu füllen.

Füllen sollen sich die Taschen, und zwar mit möglichst vielen Chips, denn es findet die Qualifikation von Österreichs größtem Studenten-Pokerturnier, der APSA Students Tour powered by Everest Poker, statt. "Zum ersten Mal in der Geschichte des österreichischen Pokers geht es um einen Preispool von 400.000 Euro", sagt Mitorganisator Martin Sturc, Eventmanager von Everest Poker.

Das Thema hat Aktualitätswert, Pokern ist auch in anderer Hinsicht derzeit bei den Studenten in aller Munde: Bei den aktuellen Uni-Protesten wurde kritisiert, dass das Studium immer mehr einem Pokerspiel ähnelt, bei dem strategisches Punktesetzen nötig ist, um möglichst alle Seminarplätze für das Semester zu ergattern.

Im Gegensatz dazu soll das Pokerturnier aber Spaß machen. "Die Stimmung war durchgehend super", erzählt Strobl, der sich nach anstrengenden acht Stunden um ein Uhr früh den zweiten Platz und ein Ticket für das Finale in Wien gesichert hat. "Ich war nicht aufgeregt und hab Gott sei Dank keinen Durchhänger gehabt", sagt er.

Denn beim Pokern kommt es nicht so sehr auf Glück an, sondern vielmehr auf die Einschätzung der anderen Spieler und die Fähigkeit, Körpersprache wahrzunehmen.

Innsbruck war der erste Stopp auf der Österreich-Tour, bei der in vier verschiedenen Uni-Mensen gespielt wird. "Wir wollen den Poker direkt zu den Studenten bringen", erzählt Sturc. "Nicht wie im Casino, wo alles wirtschaftlich aufgezogen ist." Das Turnier richtet sich an alle, die mit der Uni zu tun haben. "Wir wollten auch ein Studenten-Professor-Battle machen", sagt Sturc. "Professoren sind aber schwerer dafür zu begeistern."

Sturc ist selbst passionierter Pokerspieler und hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht. In Wien Sportwissenschaften studierend, hat er 2006 ursprünglich damit begonnen, im privaten Rahmen Pokerturniere zu veranstalten. Durch die große Resonanz gründete er die apsa und organisiert nun Pokerturniere österreichweit, während sein Studium ruht.

Der Pokerboom, ausgelöst etwa durch einen Zwölf-Millionen-Dollar-Gewinn beim größten Poker- Turnier der Welt von 2004, hält an, freut sich Sturc. "Wir hatten in Innsbruck letztes Mal 80 Teilnehmer, dieses Jahr sind es sogar 144."

Für alle Pokerbegeisterten gibt es noch die Chance, bei der Live-Qualifikation in Wien oder über die Online-Qualifikation am 6. Dezember ein Ticket zu ergattern. (Astrid-Madeleine Schlesier, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2009)