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Spektakuläre Bauprojekte wie Palm Island waren auf Pump finanziert. Das Firmenkonglomerat Dubai World samt Tochterfirma Nakheel hat um Rückzahlungsaufschub gebeten.

Foto: APA/EPA/Ferrari

Nach der Bitte Dubais an seine Gläubiger, einen Kreditratenaufschub zu gewähren, versucht das Land zu beruhigen. Dennoch bleibt der Verdacht, dass es neben den genannten noch weitere Verbindlichkeiten gibt.

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Nach den Schockwellen, die Dubai in Richtung der internationalen Finanzmärkte ausgesendet hat, ist das Emirat nun bemüht, die Wogen zu glätten. Wie berichtet, hat die Ankündigung der Regierung von Dubai, um einen Zahlungsaufschub für das riesige Firmenkonglomerat Dubai World und seine 59 Milliarden Dollar Schulden zu bitten, heftige Reaktionen auf den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. In Asien, Europa und den USA gingen die Märkte auf Tauchstation, vielfach war die Rede von einem "default" Dubais nach dem Muster Argentiniens, gleichbedeutend einem Staatsbankrott.

"Kein Markt ist immun"

Aufgrund dieser Reaktionen, die die Machthaber in Dubai wohl selbst überraschten, schaltet sich in der Nacht zum Freitag Scheich Ahmad Bin Saeed Al Maktoum ein, Vorsitzender des Obersten Finanzkomitees des Emirates. Die geplante Restrukturierung von Dubai World ziele darauf ab, "das Unternehmen zu einem langfristigem Erfolg zu führen" , verkündete Scheich Ahmad. "Wie viele anderen Städte weltweit auch erleben wir ökonomische Herausforderungen durch die Wirtschaftskrise" , so Ahmad weiter. "Kein Markt ist immun gegen die Krise. Wir haben bei Dubai World eine sensible Entscheidung getroffen."

Trotz der wohlgewählten Worte blieb die Entspannung an den internationalen Märkten allerdings am Freitag aus. In den Vereinigten Arabischen Emiraten selbst blieben die Börsen aufgrund eines Feiertags geschlossen, international aber fielen Aktien, Öl- und Goldpreis und vor allem Emerging Markets-Anleihen weiter. Viele Investoren trennten sich von allem, was irgendwie mit dem arabischen Raum verbunden ist. Einen weiteren Schock gab es für die zahlreichen in Dubai engagierten Immobilienfonds, von denen sich einige nach dem Platzen der Immo-Blase wieder einigermaßen erholt hatten. Nicht wenige von ihnen sind nahezu wertlos geworden.

Verbindlichkeiten

Analysten versuchen, aus den Handlungen der Dubaier Regierung nun ihre Schlüsse zu ziehen. "Möglicherweise beinhalten die Schulden Dubais auch außerbilanzielle Verbindlichkeiten, die die bisher angenommenen Gesamtschulden von 80 Mrd. Dollar noch deutlich wachsen lassen könnten" , vermutet UBS-Analyst Saud Masud. "Das könnte bedeuten, dass die Erlöse aus den jüngst ausgegebenen Staatsanleihen einfach nicht ausreichen." Und schlimmer noch, dass das reiche Abu Dhabi die Lust verloren hat, Dubai finanziell unter die Arme zu greifen.

Der österreichische Handelsdelegierte in den VAE, Wolfgang Penzias, baut darauf, dass Dubai seine Schulden bedienen wird, allerdings erst nach einer umfassenden Restrukturierung des gesamten Wirtschaftssystems.

Von den rund 150 österreichischen Firmen, die in den VAE tätig sind (darunter Swarovski, Unger, Waagner-Biró, Bene und Doka), gab es noch keine Meldungen über befürchtete Zahlungsausfälle. Gerade die Baufirmen haben sich bereits nach dem Platzen der Immo-Blase Ende 2008 anderswo im arabischen Raum umgesehen.

Die Firma Doka, die Schalungen für den Burj Dubai, das höchste Gebäude der Welt, geliefert hat, hat seine Arbeit abgeschlossen und braucht nur auf die - oftmals verschobene - offizielle Eröffnung des 800 Meter hohen Wolkenkratzers am 4. Jänner warten, dem Jahrestag der Ernennung Scheich Maktoums zum Herrscher Dubais.  (Arno Maierbrugger aus Dubai, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.11.2009)