Rom - Mit fast fünf Millionen verzeichnet Italien derzeit eine neue Rekordzahl an Immigranten. Im Jahr 2008 verbuchte das Land mit 13,4 Prozent den bisher stärksten Zuwachs. Mit 7,2 Prozent der Bevölkerung übertrifft deren Gesamtzahl erstmals den EU-Schnitt.

Nach offiziellen Statistiken beträgt die Zahl der regulären Immigranten 3,9 Millionen. Mit 800.000 liegen die Rumänen deutlich in Führung vor Albanern (450.000) und Marokkanern (405.000). Mit weitaus geringeren Kontingenten folgen Chinesen, Ukrainer und Filipinos.

62 Prozent aller Immigranten leben in Norditalien. Rechnet man die "Illegalen" (rund 600.0000) und die in den vergangenen Monaten legalisierten 300.000 Familienhelfer und Altenpfleger dazu, nähert sich die Gesamtzahl der Immigranten der Fünf-Millionen-Grenze.

Die Regierung hatte ursprünglich mit mindestens 800.000 Gesuchen gerechnet, doch viele der integrationswilligen Familienhelfer scheiterten an den bizarren bürokratischen Hürden des Gesetzes. Um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, mussten die meist weiblichen Gesuchsteller aus Osteuropa und Lateinamerika mindestens 20 Wochenstunden in derselben Familie nachweisen. Ihr Arbeitgeber musste einen einmaligen Beitrag von 500 Euro entrichten.

Die meisten Familienhelfer arbeiten weit mehr als 20 Stunden, aber in mehreren Haushalten. "Ich schufte täglich von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends, aber bei zehn verschiedenen Familien", beschreibt die 30-jährige Bolivianerin Lourdes aus Cochabamba ihren Alltag. "Obwohl ich wöchentlich auf über 50 Stunden komme, konnte ich nicht um eine Aufenthaltsgenehmigung ansuchen. So wie mir geht es zehntausenden anderen Frauen."

Seit illegale Einwanderung von der Regierung Berlusconi zur Straftat erklärt wurde, wächst unter den betroffenen Immigranten die Besorgnis. Die Ausweisung droht auch jenen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und nicht innerhalb von sechs Monaten einen neuen finden. (mu/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2009)