Schon perfekt: Das Hirschcarpaccio bei Kalteis. Noch im Werden: Fidlers Kamerabedienung.

Gasthof - Restaurant Kalteis
Melker Strasse 10
A-3204 Kirchberg/Pielach
Telefon: 02722/7223
Fax: 02722/7223-4
www.kalteis.at

Drei Gänge, etwas Wein, Kaffee: 64 Euro

Foto: Fidler

Knusprig gebraten ist nicht immer so, wie es sich der Fidler vorstellt. Aber auch sehr gut, das panierte Bries.

Foto: Fidler

Im Schatten des Unterarms eines Kamera-Dilettanten: Die Herrenportion Hirsch mit Dirndl-Brombeersauce und gewaltigen Pilzstrudeltrümmern. Da werden auch Holzfäller satt. Und glücklich.

Foto: Fidler

Ausnahmsweise wieder einmal das Fidler-Mantra: Wer zu lange auf dem Notizzettel mit dem schönen Titel „Essen" steht, hat's bei mir nicht leicht. Dort steht man, wenn Freunde, Wirte des Vertrauens, hauptamtliche Gastrokritiker oder eine Zwischenform davon mir ein Lokal empfohlen haben. Seit so manchem Jahr steht dort "Kalteis/Kirchbach".

Fisch ging sich nicht aus

Ich glaube, als Erster hat mich Herr Kamolz auf das Wirtshaus an der Pielach gebracht, und notiert habe ich es wegen a) Süßwasserfisch und vor allem b) Wild, womöglich auch noch c) wegen Innereien, womöglich d) auch noch vom Wild. Machen wir's kurz: Ich muss noch einmal hin, schon weil sich Fisch nicht ausgegangen ist.

Thementag WWW: Wandern, Wirt, Wein. Geht sich alles gut aus im Pielachtal, das letzte W allerdings erst nach der Heimfahrt, aus Vernunft, wobei: Noch vernünftiger wäre wohl gewesen, gleich in einem der vom Wirt empfohlenen Appartments in Kernspuckweite zu übernachten. Halt das nächste Mal, nach dem Fisch.

Dirndl statt Sekt

So trink ich zum Apero, von wegen Kerne spucken, Dirndlnektar statt Muskateller oder Sekt, wir sind hier schließlich im "Dirndltal", dem Land der Kornelkirsche. Und wenn man ein Alzerl Wasser (oder halt auch Sekt, im Appartmentfall) in den Nektar mengt, hat er gerade das richtige Verhältnis von knackiger Säure und doch noch genug Süße. Spätestens hier erklärt sich der Titel. Hoffe ich.

Erst Panorama, dann Panier

Das kleine organisatorische Problem des vierten W in WWW löste sich auch ganz einfach: Im Winter wird aus dem Wandern doch recht bald ein Tappen im Dunklen, spätestens um 16.30 sollte man dann wieder in der Zivilisation sein. Da hat man vom oberweltklassigen Panorama des Jubiläumswegs bei Rabenstein auch nur noch eben nicht überschaubar wenig; auch nicht von der Josef-Franz-Hütte hoch auf dem Geisbühel, wenn man vom (nur trocken aussehenden) Speckbrot und dem Soda Dirndl (nicht, was Sie jetzt denken) absieht, die sicher auch abends gefallen.

Beim Kalteis fällt man aber gar nicht groß auf, wenn man sonntags schon um 17 Uhr oder 17.30 einfällt und ein Abendessen verlangt. Da sitzt schon ein ortsbekanntes Pärchen nebenan und hat schon bestellt und stört auch nicht weiter bis auf kluges Zwischengemurmel über den Rotweinjahrgang 2007, von dem ich mir zum Hauptgang ein Glas genehmige. Ein Glas, aus Vernunftgründen und Appartmentmangel, obwohl der Hirsch durchaus nach zwei oder drei Gläsern geröhrt hätte.

Halber Hirsch

Nein, ich wollte das Tier nicht schönsaufen, die Menge macht's: Drei große Stücke Hirschfilet, ein bisschen rosafarbener hätte ihr Innenleben noch ausfallen können, um mich restlos glücklich zu machen. Dazu zwei Stückchen Gänseleber, auch nicht leicht. Zwei riesige Rollen Schwammerlstrudel. Glacierte Maroni. Und Brombeer-Dirndl-Sauce, zum Glück gar nicht aufdringlich süß, und endlich wieder Dirndl.

Eigentlich wollte mir Herr Kalteis junior ja eine „Damenportion" des Hirsches aufschreiben, damit ich noch das Mohndessert reinkriege, aber Süßes bestell ich eh nicht freiwillig. „Also doch die Herrenportion", hielt er auf seinem Block fest, und ich wusste nicht, dass Herren hier mit Holzarbeitern gleichgesetzt werden: „Auch Holzknechte sollen bei uns satt werden", lächelte er mir auf die Nachfrage zu, ob er nicht „Zweiherrenportion" notiert hat.

Meckern auf hohem Niveau

Dabei hatte ich davor nur zwei Gänge eingeplant: Hirschcarpaccio mit schwarzen Nüssen, welche obersuperzarte Freude! Und, auch das konnte ich nicht auslassen: Bries auf Pilznudeln. „Knusprig gebraten" hätte ich mir zwar anders vorgestellt als paniert, aber da bin ich vielleicht ein bisschen zwänglerisch. Die Pilznudeln schon sehr gut, eine Spur bissfester hätte mich nicht gestört. Meckern auf hohem Niveau, ich weiß. Ich freu mich schon auf den Fisch. Und könnte mir jetzt noch jemand verraten, wie man der Familie Kalteis zum Beispiel ein Rehbeuschel entlockt?