Wien - Von A wie Aufsichtspflicht bis Z wie Zähneputzen - auch die richtige Kinderbetreuung will gelernt sein. Die Anbieter von entsprechenden Kursen verzeichnen einen verstärkten Zustrom, schließlich ist für die neue steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuung eine zumindest achtstündige Ausbildung der "Babysitter" notwendig. "Die Schulung kommt gut an, manche fragen sogar nach Folgekursen", erklärte etwa Jürgen Heissenberger von der abc-kinderbetreuung. Großeltern, die eine steuerschonende Betreuung ihrer Enkerl anstreben, sind stark vertreten.

Ab dem Steuerausgleich für 2009 können Ausgaben für Kinderbetreuung bis zu einem Maximalbetrag von 2.300 Euro abgesetzt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind jünger als zehn Jahre alt ist und professionell betreut wird. Darunter fallen auch Zahlungen an Großeltern, wenn diese eine achtstündige Ausbildung nachweisen können und nicht im selben Haushalt leben.

"Sicher ein Boom festzustellen"

"Es kommen viele Großeltern, die von Eltern in den Kurs geschickt werden. Zuerst wissen sie nicht, was sie dort tun sollen, aber sie gehen mit dem Gefühl raus, dass es doch spannend war und sie noch etwas gelernt haben", so Heissenberger. Die abc-kinderbetreuung ist in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark tätig. Heissenbergers Angaben zufolge werden diese Kurse zu 80 Prozent von Großeltern besucht. Da die Zielgruppe meist auch unter der Woche Zeit hat, sei man von den Wochenendkursen wieder abgekommen, erklärte er. Neben Wissen über die Entwicklung des Kindes oder Erste-Hilfe-Elementen steht bei Bedarf auch ein Steuerberater zur Verfügung. "Es ist sicher ein Boom festzustellen", meinte Heissenberger und führt dies auf die neue Absetzmöglichkeit zurück. Aufgrund der großen Nachfrage fanden noch bis knapp vor Jahresende Kurse statt. Die Kosten für eine achtstündige Ausbildung belaufen sich auf rund 100 Euro.

Ausgebucht in diesem Bereich ist auch das Hilfswerk in Kärnten. Die Kurse (35 Euro für acht Stunden) wurden im letzten Jahr meist einmal im Monat gehalten, im Jänner sind zwei Termine geplant. Durch die Absetzbarkeit gebe es eine "große Nachfrage" vor allem durch Großeltern. Für diese bedeuten die Inhalte oft eine "Auffrischung", hieß es. Die Kurse werden oft in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie etwa dem Roten Kreuz abgehalten. Die Pädagogen arbeiten entweder auf Honorarbasis oder sind bei den Einrichtungen angestellt.

"Große Themenvielfalt" und "kompakte Wissensvermittlung"

"Die Neuregelung scheint ein notwendiger Anreiz zu sein. Kinderbetreuungskurse hat es immer im Programm gegeben, neu ist aber nun die kompakte Form. Die Inhalte wurden vorher nur zögerlich angenommen, jetzt werden sie verstärkt nachgefragt", erklärte Ronald Zecha, Geschäftsführer der Volkshochschulen Tirol. Von den Teilnehmern - ältere Semester genauso wie Jugendliche - kommen positive Rückmeldungen sowohl zum Kursinhalt als auch zu den Vortragenden: "In einer relativ kurzen Zeit gibt es eine große Themenvielfalt. Die kompakte Wissensvermittlung wird sehr geschätzt." Der Kurs der VHS Tirol dauert 16 Stunden und kostet 106 Euro.

Auch die Kinderfreunde Steiermark verzeichnen erhöhte Teilnehmerzahlen bei der von ihnen angebotenen ein- bzw. zweitägigen Ausbildung. Besucht werden die Kurse verstärkt von Großeltern, aber auch anderen Verwandten und Au-Pair-Mädchen. An der Volkshochschule Bregenz werden Erwachsene acht Stunden (58 Euro) und Jugendliche 16 Stunden lang unterrichtet. Die Nachfrage werde auch hier stärker. (APA)