Zagreb - Der kroatische Ex-Ministerpräsident Ivo Sanader hat am Sonntag seine Rückkehr in die Politik angekündigt. Er wolle sich mehr in der Partei engagieren und seine Rolle als Ehrenpräsident der Regierungspartei, der national-konservativen "Kroatischem demokratischem Gemeinschaft" (HDZ), vollständig erfüllen, erklärte Sanader auf einer Pressekonferenz in Zagreb. Er bestritt, dass seine Rückkehr mit der Affäre rund um die Hypo-Alpe-Adria-Bank zusammenhängt.

"Wenn da irgendetwas dran wäre, hätte ich nicht die mächtigste Position im Land aufgegeben", sagte der Spitzenpolitiker laut der Agentur dpa. Medien in Deutschland hatten ihn der Agentur zufolge als "politischen Paten" beschrieben, der ermöglicht habe, dass die BayernLB die Hypo-Bank übernehmen konnte. Die Hypo, die auf dem Balkan und besonders in Kroatien zwielichtige Geschäfte gemacht haben soll, wurde inzwischen vom österreichischen Staat übernommen. "Die Entscheidung zum Rückzug (aus der Politik, Anm.) war vollständig falsch", sagte der 56-Jährige laut dpa.

Sanader stand von 2003 bis 2009 an der Spitze der kroatischen Regierung und der HDZ. Über die Gründe für seinen überraschenden Rücktritt Anfang Juli 2009 wird immer noch gerätselt. Sanader nannte die fehlende Unterstützung der EU-Staaten im Grenzstreit mit Slowenien als Grund, was Spekulationen nährte, Brüssel habe ihn wegen seiner unnachgiebigen Haltung im Konflikt mit Ljubljana zum Rücktritt gedrängt. Sanader schlug Jadranka Kosor als seine Nachfolgerin und Andrija Hebrang als Präsidentenkandidaten vor.

Das schlechte Ergebnis Hebrangs bei den Präsidentenwahlen begründete Sanader mit einem "Defizit in der Parteiführung". Im ersten Durchgang der Präsidentenwahlen erhielt Hebrang nur 12,04 Prozent der Stimmen und wurde dritter. Sanader bewertete das Wahlergebnis Hebrangs als schlimmstes HDZ-Ergebnis aller Zeiten auf nationaler Ebene. "Dafür ist nicht nur der Kandidat verantwortlich, das ist auch ein Bild der Unbeweglichkeit der Parteiführung, und hier sehe ich auch mich zum Teil mitverantwortlich", so Sanader.

"Verstärkung der HDZ"

Er verneinte, dass seine Initiative eine Schwächung der Parteipräsidentin Kosor sei, sondern eine "Verstärkung der HDZ". Sanader sagte, dass er die Arbeit der Regierung unterstütze, aber mit den zu seltenen Treffen der Parteigremien, die die Partei zwischen den Parteitagen steuern sollen, unzufrieden sei. Die Rückkehr des Politikers als Abgeordneter und HDZ- Ehrenvorsitzender könnte laut dpa zum Sturz der von der Sanader-Vertrauten Kosor geführten kroatischen Regierung und zu Neuwahlen führen. Zwei Koalitionspartner der HDZ hatten angekündigt, im Falle der Rückkehr Sanaders in die aktive Politik die Regierung zu verlassen, die dann ohne Mehrheit wäre.

Sanader forderte außerdem vom HDZ-Präsidium eine Wahlempfehlung für einen der beiden Kandidaten in der Stichwahl. Bei der Pressekonferenz waren keine Regierungsmitglieder anwesend, jedoch Parlamentspräsident Luka Bebic und Abgeordnete der HDZ.

Ivo Josipovic, der Kandidat der stärksten kroatischen Oppositionspartei SDP (Sozialdemokraten), ist auch bei der Stichwahl am 10. Jänner der größte Favorit für das Präsidentenamt. (APA)