Ein halbes Jahr nach Amtsantritt des neuen Präsidiums der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) werden Pläne für weitere Neuerungen geschmiedet - womit der Reformprozess der letzten Jahre fortgesetzt wird. "Schlankere Strukturen" hat nicht nur eine kürzlich vom Wissenschaftsministerium eingesetzte Expertenkommission von der Akademie gefordert. Auch der ÖAW-Chef Helmut Denk meint, die zahlreichen, in den vergangenen Jahren eingerichteten Kommissionen und Kuratorien "müssen reduziert werden" , wie er im Gespräch mit der Austria Presse Agentur sagt.

Derzeit arbeitet das Präsidium an entsprechenden Konzepten, die in den nächsten Monaten der Gesamtsitzung der Akademie vorgelegt werden sollen. Neue Wege sollen auch beim gesellschaftlichen Engagement eingeschlagen werden. "Wir müssen uns mehr äußern" , fordert Denk. Es sei Aufgabe einer Akademie, Stellung zu neuen Entwicklungen - von Stammzellen bis zu Studentenprotesten - zu nehmen.

Sorgen macht Denk auch die finanzielle Situation: Mit dem derzeitigen Budget von rund 85 Mio. Euro komme man durch das Sparprogramm und die Auflösung von Rücklagen "gerade durch" . "Vieles, was notwendig wäre" , könne aber nicht realisiert werden. Künftig befürchtet Denk, dass es ohne höheres Budget Probleme gebe, "insbesondere in den großen, budgetintensiven Instituten" wie dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), dem Zentrum für Molekulare Medizin (CeMM) oder dem Gregor-Mendel-Institut (GMI).

"Es wird notwendig sein, dass das Budget nach Leistungskriterien vergeben wird" , kündigt Denk an - so wie das Wissenschaftsministerium von der ÖAW Leistungsvereinbarungen fordere, müsse dies auch die Akademie-Leitung bei den wissenschaftlichen Einrichtungen tun.

Neuer Physik-Cluster

Welche Veränderungen bei wissenschaftlichen Einrichtungen der Akademie notwendig werden, soll "nach objektiven Kriterien" in einer Reihe von Evaluierungen geprüft werden. Zwei konkrete Vorhaben sind bereits im Gespräch: Einerseits die Bildung eines Physik-Clusters, bestehend aus dem Institut für Hochenergiephysik (HEPHY), dem Stefan-Meyer-Institut für subatomare Physik (beide ÖAW) und dem Atominstitut der Technischen Universität Wien. Andererseits könnten das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Akademie am Wiener Wilhelminenberg und das benachbarte Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien fusionieren. Allerdings seien die Würfel dafür noch nicht gefallen.

Auf der Wunschliste der neuen ÖAW-Leitung finden sich auch Bauinvestitionen in beträchtlicher Höhe: Denk spricht von notwendigen 36 bis 40 Mio. Euro in den nächsten vier Jahren. So würde alleine die Realisierung des Physik-Clusters rund zehn Mio. Euro erfordern. Der ÖAW-Präsident betont: "In dem Moment, wo wir uns nicht mehr weiterentwickeln, ist es schon ein Rückschritt." (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 5. 1. 2010)