Fußball, Tanzen und Kinos sind verboten. Seit die Shabaab-Miliz immer größere Gebiete von Somalia kontrolliert, werden Männer ohne Bart ausgepeitscht und Frauen unter Druck gesetzt, Gesichtsschleier zu tragen. 2008 wurde ein 13-jähriges Mädchen gesteinigt, es war vergewaltigt worden. Man hatte ihm daraufhin "Ehebruch" vorgeworfen. Kein Wunder, wenn selbst Premier Omar Sharmarke meint, Somalia sei schlimmer als Afghanistan.

Mit dem Unterschied: Somalia kümmert niemanden. Die Hilferufe aus dem zerfallenen Staat, der zu einer Basis für radikalislamistische Gruppen und Terroristen aus der ganzen Welt geworden ist, bleiben in Washington wie in Brüssel ungehört. Der Westen unterstützt zynisch und ignorant ehemalige Islamistenführer, die kurz vorher noch völlig verpönt waren. Es ist eine Dauerübung im Wegschauen. Somalia gilt als verloren. Man überlässt das Territorium einer zahnlosen UN-Mission und einer mittellosen Übergangsregierung, die zuschauen darf, wie kontinuierlich alles noch schlimmer wird.

Das Wegschauen ist gefährlich. Denn in Somalia herrscht kein Bürgerkrieg. Die Al-Kaida-nahe Gruppe verbindet kein Clan, sondern eine Ideologie. Al-Shabaab rekrutiert Jugendliche für 150 Dollar pro Monat auch aus den Flüchtlingslagern aus Kenia. Afghanen und Tschetschenen in Somalia führen ohnehin einen globalen Krieg. Die Regierung zu stürzen ist nur eines der Ziele der Miliz. Sie droht auch mit Gewalt in Uganda, Burundi oder Kenia. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2010)