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Jadranka Kosor warf ihren Vorgänger Ivo Sanader aus der Partei.

Foto: Reuters/Solic

Zagreb - Groß war die Bestürzung über seinen Rücktritt. Noch größer aber war das Entsetzen über sein angekündigtes Comeback. Am Montag wurde der ehemalige Premier Kroatiens und ehemalige Parteivorsitzende der Kroatischen Demokratischen Union (HDZ)Ivo Sanader deshalb aus seiner eigenen Partei, ausgeschlossen. Sanaders Ankündigung, ein halbes Jahr nach seinem überraschenden Rückzug aus der Politik wieder aktiv zu werden, habe der Partei geschadet, begründete die jetzige Parteivorsitzende und kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor nach stundenlangen Beratungen der Parteispitze diesen Schritt. Sie hat damit einen parteiinternen Machtkampf gewonnen.

Das Präsidium der HDZ war am Nachmittag zusammengekommen, um über Sanaders Rolle in der Partei zu diskutieren. 16 Mitglieder des Präsidiums stimmten für den Ausschluss, drei dagegen, zwei Personen enthielten sich. In den letzten Wochen vor Weihnachten, als die Affäre um die Hypo Alpe Adria wieder zum Thema wurde, geriet Ivo Sanader immer mehr unter Korruptionsverdacht. Der Chef der Nationalbank wirft Sanader vor, er habe Druck ausgeübt, damit die Bank an die BayernLB verkauft werden konnte. Mitarbeiter eines Tycoons bezichtigen Sanader sogar, von der Hypo Geld genommen zu haben. Sein Parlamentsmandat sollte ihm nun Immunität zusichern.

Ivo Sanader war von 2003 bis 2009 der wohl erfolgreichste Regierungschef Kroatiens und die mächtigste Führungsfigur in der Geschichte seiner Partei. Nach seinem unerklärlichen Rückzug aus der Politik im Juli fiel die Popularität des 56-Jährigen drastisch. Am Sonntag kündigte er an, er werde sein ruhendes Parlamentsmandat antreten und die Ehrenpräsidentschaft seiner konservativen Partei HDZ "aktivieren" .

Zur Begründung führte Sanader das katastrophale Abschneiden des HDZ-Kandidaten bei der Präsidentenwahl am 27. Dezember an. Nicht der Grund jedenfalls, so Ex-Premier sei die Arbeit seiner Nachfolgerin Jadranka Kosor, die er der "vollen Unterstützung" versicherte. Gleichzeitig streute er aber schon mal ein wenig Zwietracht zwischen sich und Parteifreundin Kosor. Gegangen sei er im letzten Juli, weil er nicht "kroatisches Territorium" an Slowenien habe abtreten wollen, sagte Sanader - eine Spitze gegen den Kompromiss im Grenzstreit um die Meeresbucht von Piran, den Kosor gleich nach ihrem Amtsantritt erreicht hatte.

Die Koalitionspartner der HDZ waren gegen die Rückkehr Sanaders. Nach den Ereignissen in der HDZstehen nun auch Neuwahlen im Raum. Der kroatische Präsident Stipe Mesić meinte, wenn es nötig wäre, würde er noch im Februar Neuwahlen ausschreiben. In der Hypo-Affäre erwarte er sich Entwicklung in den Untersuchungen, sagte Mesić. (nmn, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2010)