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Berlin - Im Streit um das verspätete Militärtransporter-Projekt A400M erhöht Airbus-Chef Tom Enders offenbar den Druck auf Abnehmerländer wie Deutschland und Frankreich. Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Dienstagsausgabe berichtete, bereitet Enders den Ausstieg aus dem Bau des Militärtransportflugzeugs vor. Es gebe bereits Listen, bei welchen Zivilprojekten die A400M-Ingenieure eingesetzt werden könnten.

Der Chef der EADS-Tochter sei sehr skeptisch, dass bis Ende Jänner mit den Regierungen der insgesamt sieben europäischen Bestellländer eine Einigung über die Zusatzzahlungen von 5,3 Mrd. Euro gefunden werde, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise weiter. Enders sehe die Chancen für eine für alle Seiten akzeptable Lösung bestenfalls bei 50 Prozent. Bereits Anfang Dezember hatte es in Medienberichten Spekulationen um einen Ausstieg von Airbus aus dem Programm gegeben, was von EADS aber umgehend dementiert worden war.

Entwicklungsprobleme und daraus resultierende Lieferverzögerungen sowie Kostensteigerungen haben das Milliardenprojekt heftig ins Schlingern gebracht. Nach jahrelanger Verzögerung war das Militärtransportflugzeug Mitte Dezember in Sevilla zu seinem Jungfernflug gestartet. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde für die A400M ein Festpreis von 20 Mrd. Euro vereinbart. Einem Gutachten zufolge belaufen sich die finanziellen Risiken und bereits angehäuften Verluste durch den A400M für EADS insgesamt auf nahezu elf Mrd. Euro. Deutschland ist mit 60 von insgesamt 180 Bestellungen größter Abnehmer des A400M, der bei der Bundeswehr die über 30 Jahre alten Transalls ersetzen soll. (APA/Reuters)