Bild nicht mehr verfügbar.

Zwei Frauen in weißen Hochzeitskleidern am 5. Jänner 2010 vor dem Standesamt in Klagenfurt. Sie demonstrieren im Rahmen einer Aktion - einer symbolischen Heirat -gegen die eingetragene Partnerschaft ohne Zeremoniell.

Foto: APA/GERT EGGENBERGER

Klagenfurt - In einigen großen Städten Österreichs ist die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften am Standesamt oder zumindest in einem eigenen Saal inklusive Zeremoniell möglich, in Klagenfurt findet der Akt in einem Büro im Amt für Bevölkerungswesen statt. Dagegen haben Kärntner Homosexuelleninitiativen am Dienstag mit einer "Protesthochzeit" demonstriert. Sie überreichten Bürgermeister Christian Scheider (FPK) eine Petition, dieser aber wollte von seinem Standpunkt nicht abweichen.

"Eingetragen ist auch mein Hund!"

Ein Brautpaar ließ sich am zuständigen Amt symbolisch eintragen, rund 50 Menschen folgten dem Aufruf der Initiativen "femme goes queer" aus Klagenfurt und den "Real Golden Girls aus Ferlach (Bezirk Klagenfurt Land) sowie den Grünen Andersrum Kärnten/Koroska und machten mit Sprüchen wie "Eingetragen ist auch mein Hund!", "zum Scheidern verurteilt", "Wir wollen ins Standesamt!" und eine inszenierte Hochzeitsgesellschaft vor dem Amt für Bevölkerungswesen ihrem Unmut Luft.

Als das Brautpaar das Amtsgebäude verließ, ebbten Jubelrufe schnell ab und auch der Reisregen war nur von kurzer Dauer. "Das hätte unser schönster Tag werden sollen, aber es war echt schiach und unpersönlich", erklärte Marie-Theres Grillitsch, eine der Bräute. "Wir sind zwar verlobt, aber unter diesen Umständen würden wir uns nicht eintragen lassen", zeigten sich die Demonstrantinnen Sonja und Sabrina enttäuscht. Auch Verwunderung machte sich breit: "Es ist schon komisch, dass Österreich sonst so modern ist, aber genau das nicht erlaubt wird", meinte Philipp, ein junger Klagenfurter.

Obwohl durch die Übergabe der Petition nun "ein Diskussionsprozess" zumindest im Stadtsenat eingeleitet werden sollte, schloss Scheider eine Verpartnerung am Standesamt sofort aus. "Ich bin eher nicht dafür, dass es gleich wie eine Ehe zwischen Mann und Frau geschlossen werden soll." Aber er sei "diskussionsbereit", man müsse sich nun anschauen, wie die Forderungen genau lauten und wie die Eintragung in anderen Städten durchgeführt werde, meinte Scheider. "Ich lehne aber nicht alles ab", sagte der Bürgermeister.

Wunsch nach einer Zeremonie

"Wir haben genauso das Recht auf eine Zeremonie", echauffierte sich "Golden Girl" Isabell Krakolinig. "Es ist eine absolute Frechheit, dass wir keine Feier bekommen und in irgendein Hinterzimmer abgeschoben werden", sagte Christina Blaschun, Sprecherin von "femme goes queer". Dies sei nicht der letzte Schritt gewesen, meinte auch die grüne Landtagsabgeordnete Barbara Lesjak. "Wir machen weiter und fordern zumindest die Bereitstellung eines angemessenen Raumes", erklärte die Politikerin.

Dass es auch anders geht, beweist in Kärnten die Stadt Villach. Dort wird für Paare, die sich verpartnern lassen wollen, ein Saal im Rathaus geöffnet. "Wir machen das in einem eigenen Raum - in einem umgestalteten Saal, der dann doch dem Anlass entsprechend ist", sagte Bürgermeister Helmut Manzenreiter (S). Dabei handle es sich nicht um ein Büro oder Ähnliches, sondern einen Sitzungssaal. "Ich habe den Auftrag gegeben, das so zu machen, um es der Situation entsprechen zu gestalten und nicht nur als bürokratischen Akt zu sehen", meinte Manzenreiter. (APA)