Foto: Fluch

Und zwar über Wien. Wobei Wien hier für den Rest Österreichs steht, aber als einzige halbwegs ernstzunehmende Großstadt im Kleinstaat ist Wien der Hauptmagnet für junge Menschen, die aus der Provinz in die Welt wollen. Auch wenn sie dann nur bis Wien kommen. Aber darüber will ich jetzt gar nicht Haare spalten.

Wichtiger ist, dass Ja, Panik, die mit ihren letzten beiden Alben im deutschsprachigen Raum einige Aufmerksamkeit erregt haben, nun also in Berlin leben und dort mit Wien abrechnen. In einem über fünf Seiten gestreckten Text wird gut Gift und giftig Galle gespuckt. Und zwar so, wie man es von den Ja, Panik-Texten kennt. Sprunghaft, assoziativ, alles und nichts berührend. Mit der Schrotflinte geschossen, ein paar Treffer, einiges geht daneben. Jedenfalls fasst die Band, wer genau was getextet hat, bleibt unklar – „Text: Ja, Panik“–, ihre Wien-Erfahrungen in Worte, die wenig Gutes am Wasserkopf lassen.

Darin ist einiges, dem ich zustimme, manches ist ein Pofel bzw. wächst sich aus, über manches müsste man differenzierter diskutieren. Aber darum geht es Ja, Panik nicht. Es ist eine Abrechnung. Gut möglich, dass die den Verfassern in ein paar Jahren ein wenig peinlich ist, muss sie aber nicht. In all der Unschärfe taugt mir das prinzipielle Statement dieses (scheinbaren) Schlusstrichs. Fuck you! Das wird nicht nur irgendwo im Text einem Veranstalter an den Hals gewünscht, der ganze Text winkt mit dem Stinkefinger, prangert das zu-Tode-umarmen an, das Verhindern unter dem Vorwand der Unterstützung, das Selbstzufriedene und das Falsche.

Das findet sich zwar überall auf der Welt, aber bei einer diesbezüglichen Sensibilität kann einem das gerade in Ö, in Wien, besonders aufstoßen. Über „Lehrjahre auf feindlichem Terrain“ wird gekotzt, mediale Willkür angeschlatzt und hin und wieder richtig trefflich formuliert: „Man tauft sich die nützlichsten Arschlöcher Freunde und bastelt sich so ein miefiges Netzwerk (...)“. Ein Manifest für das Hatebook, das Fuckbook – oder auch schlicht Punk 2010. Taugt mir.

Hier wird gar nicht erst versucht, als ließe sich das alles ändern. Nicht für Ja, Panik. Angeekelt wendet sich die Band ab, haut ab, und zeigt damit wenigstens selbst, was sie in Wien vermisst: Haltung. An ihrer Konsequenz wird Ja, Panik zu messen sein, die Vorlage stimmt jedenfalls. Hier noch der Link zur Geschichte – leider online nur unvollständig. Die Printversion wartet noch mit einer lustigen E-mail-Korrespondenz zwischen Andreas Spechtl und Harry Fuchs vom Österreichischen Musikfonds auf - leider verkehrt rum abgedruckt ...) (Karl Fluch, derStandard.at, 6. 1. 2010)