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Wieder dabei: Ex-Premier Miloš Zeman.

Foto: EPA/MICHAL DOLEZAL

Monatelang wurde in Tschechien über ein politisches Comeback des früheren sozialdemokratischen Premiers Miloš Zeman spekuliert. Der 65-jährige Politiker, der sich seit seinem Rückzug von allen Ämtern vor sieben Jahren selbst als Polit-Pensionist bezeichnete und von seinem Alterswohnsitz unweit von Jihlava (Iglau) den einen oder anderen verbalen Giftpfeil gegen seine Nachfolger abschoss, ließ Gerüchte über eine mögliche Rückkehr stets dementieren, wenn auch in letzter Zeit immer halbherziger.

Doch nun ist es offiziell: Zeman steigt wieder in den Ring, und zwar an der Spitze einer linkspopulistischen Gruppierung, die sich "Partei der Rechte der Bürger" nennt und noch im Aufbau ist.

Zeman war der erste sozialdemokratische Regierungschef Tschechiens nach der Wende und amtierte von 1998 bis 2002. In dieser Zeit begann jedoch nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung des Landes, es kam auch zu einer beispiellosen Verschlechterung der Beziehungen zu Österreich. Zemans Regierung ließ trotz österreichischer Bedenken das Kernkraftwerk Temelín in Betrieb nehmen und schloss sich später, nach Bildung der schwarz-blauen Regierung in Wien, den Sanktionen der EU-14 gegen Österreich an.

Mit seiner früheren sozialdemokratischen Partei hat der Ex-Premier schon vor langem gebrochen. Das tiefe Zerwürfnis reicht gut sieben Jahre zurück, als Zeman bei den Präsidentschaftswahlen 2003 auch wegen mangelnder Unterstützung seiner Parteikollegen schon im ersten Durchgang überraschend scheiterte.

Für die Parlamentswahlen im kommenden Mai ließ sich Zeman nun demonstrativ zum Spitzenkandidaten seiner "Partei der Rechte der Bürger" im nordböhmischen Wahlkreis Ústí (Aussig) küren, wo er gegen niemand Geringeren antritt als den Chef der Sozialdemokraten, Jiøí Paroubek. Ústí gehört zu den größten wirtschaftlichen Problemregionen in Tschechien.

Mit von der Partie bei Zemans neuer Gruppierung ist auch der einstige kommunistische Funktionär Miroslav Šlouf, der in der Vergangenheit alle Wahlkämpfe Zemans organisierte. In ersten Umfragen konnte die Partei, die es offiziell noch gar nicht gibt, mehr als drei Prozent der Stimmen auf sich vereinen. (Robert Schuster aus Prag, DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2010)