Warschau - Die Führung der rechtskonservativen polnischen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) hat am Mittwochabend überraschend die 58-jährige PiS-Abgeordnete Grazyna Gesicka zur Fraktionsvorsitzenden bestimmt. Sie löst damit den seit über zwei Jahren amtierenden Przemyslaw Gosiewski ab, der Vize-Vorsitzender der Partei werden soll.

"Programmoffensive" geplant

Die Entscheidung traf der PiS-Vorsitzende und Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski offenbar alleine, da sich auch PiS-Abgeordnete überrascht zeigten. Gesicka sei "die erste Frau in dieser Position", erklärte der PiS-Vorsitzende bei einer Pressekonferenz. Die ehemalige Ministerin für Regionalentwicklung werde eine "Programmoffensive" seiner Partei beginnen, so Kaczynski. Er machte jedoch keine Angaben dazu, warum er sie für besser geeignet hält als ihren Vorgänger Gosiewski.

BeobachterInnen gehen davon aus, dass Gesicka der Partei ein liberaleres Gesicht geben soll als der stets als harter Konservativer auftretende Gosiewski. Außerdem habe Gosiewski auch in der Fraktion durch autoritären Führungsstil für Unmut gesorgt, berichteten polnische Zeitungen. Kaczynski räumte bei der Pressekonferenz ein, Gosiewski habe "keinen leichten Charakter".

Als "verzweifelten Versuch, das Image der Partei zu retten" bezeichnete der Vize-Fraktionsvorsitzende der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO), Grzegorz Dolniak, gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza" die Veränderungen in der PiS. Allerdings erwarte er, dass sich die Beziehung zwischen den beiden großen Parlamentsfraktionen der PO und der PiS durch die Amtsübernahme von Gesicka verbessere, so Dolniak.

Auch in der PiS "Taten statt Worte"

Schon im vergangenen Jahr versuchte sich die PiS in einer Werbeaktion als Partei zu präsentieren, in der Frauen eine gewichtige Rolle spielen. Außer Gesicka zeigten die Plakate mit dem Slogan "Taten statt Worte" Ex-Arbeitsministerin Joanna Kluzik-Rostkowska und die ehemalige Vorsitzende des Finanzausschusses im Parlament Aleksandra Natalli-Swiat. KommentatorInnen tauften die drei Frauen daraufhin "Kaczynskis Engelchen". (APA)