Wenn in Öffentlichkeit und Regierung wieder einmal diskutiert wird, ob Österreich die Staatsholding ÖIAG noch braucht oder nicht, ist das grundsätzlich gut. Selbst ein Streit zwischen Koalitionspartnern ist in Kauf zu nehmen, ja so gar zu begrüßen, wenn er denn dazu dient, Grundsatzfragen zu klären.

Denn die Unternehmen, die nach dem großen Abverkauf unter Schwarz-Blau und Schwarz-Orange in der einst mächtigen Verstaatlichtenholding übriggeblieben sind, sind alles andere denn Überbleibsel, die so lang verwaltet werden, bis sie doch noch irgendwie verschleudert werden können. Im Gegenteil. Post, Telekom Austria und OMV sind Schlüsselkonzerne der österreichischen Wirtschaft, die Milliarden an Wertschöpfung bringen, und die, ganz nebenbei, auch Schwergewichte der Wiener Börse sind.

Ob und wie der Staat sein Eigentum in diesen Leitbetrieben wahrnimmt, sollte also von vitalem politischem Interesse sein, schließlich sind es keine Würstelbuden. Wenngleich die Möglichkeiten des Einflusses seit den Börsengängen sehr beschränkt sind, hängt von den Unternehmensstrategien sehr viel für den Standort Österreich ab.

All dies sollte intensiv diskutiert statt auf dem Altar der Ideologien geopfert werden. Vor allem: Der Steuerzahler hat ein Ergebnis verdient, das jenseits von Privatisierungshysterie, Verkaufsrausch und Postenschacher steht.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2010)