Der routinemäßige Sockentanz ohne Schuhe und gefährlich weit unter die Hüfte rutschende Hosen nach der Gürtelabgabe haben es bei Flughafenkontrollen ja bereits angekündigt: Die Sicherheitswächter wollen uns an die Wäsche. Der Vorteil der "Nacktscanner" ist, dass wir uns dabei nicht (noch) mehr ausziehen müssen. Wenn dadurch auch noch die höchst unhöflichen Begrapschungen wegfallen - bitteschön, nur zu.

Daran, dass wir schon im Vorhinein als mögliche Verbrecher gesehen werden, haben wir uns durch Tasche-öffnen-Aufforderungen in Supermärkten ohnehin schon gewöhnt - auch wenn man dort nicht mitmachen muss, so lange kein konkreter Verdacht vorliegt.

Bei allem Verständnis für sicherheitsbezogene Maßnahmen lohnt es sich aber, einmal die Stücke zu betrachten, die in den vergangenen Jahren aus unseren Persönlichkeitsrechten herausgeschnitten worden sind - und wie leise deren Verfechter geworden sind. Rasterfahndung und Lauschangriff waren 1997 fast noch ein Skandal. Doch nach den Terror-Anschlägen von 9/11 setzte sich immer mehr die Haltung durch, dass jemand, der nichts zu verbergen hat, auch nichts zu befürchten habe.

Doch was bringen die Verschärfungen außer sinnlosen Datensammlungen? Im Fall des verhinderten Attentäters aus Nigeria: nichts. Seine Eltern hatten die Behörden gewarnt, doch die suchten wahrscheinlich gerade eine Nadel im Datenhaufen. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe 8.1.2010)