Ob Tablet oder Booklet: Touchscreens sollen die portable Welt erobern.

Foto: Zsolt Wilhelm

Bild nicht mehr verfügbar.

3D kommt ganz bestimmt ins Wohnzimmer, dafür werden die TV-Hersteller sorgen.

Foto: AP Photo/Paul Sakuma

Bild nicht mehr verfügbar.

Kameras und Sensoren sollen künftig Eingabegeräte obsolet machen.

Foto: REUTERS/Mario Anzuoni

Die Suche nach Gadgetperlen auf der CES 2010 dauerte heuer nicht lange. Das Thema 3D hat alles bestimmt. Doch auch bei PC zeichnet sich ein großer neuer Trend ab und vielleicht sollte man überhaupt gebräuchliche Bedienkonzepte überdenken.

Big Picture

Im Rampenlicht der TV-Welt wird es in den kommenden Monaten eng. Während alle großen Hersteller grundsätzlich auf die dritte Dimension setzen und ihre neuen Top-Modelle 3D-tauglich gemacht haben, lockt man mit vielen weiteren Features die Kundschaft. Samsung brüstet sich etwa mit einem besonders dünnen Chassis, das gerade einmal so dick wie ein Bleistift ist. LG hat versucht dafür den Rahmen so dünn wie möglich zu schleifen und Sony besinnt sich wieder auf zeitloses Design mit klaren Linien und Kanten. Doch Äußerlichkeiten spielen eigentlich gar keine so große Rolle. Das Schlüsselwort lautet Vernetzung und Technologie. So integriert beispielsweise LG den Messenger Skype für Videokonferenzen im Wohnzimmer. Samsung eifert mit einem AppStore dem iPhone nach und will so News und Spiele in den Fernseher ziehen. Sony weitet die Premium-Dienste des PlayStation Networks auf seine Bravias aus und lädt zu Video-on-Demand per Fernbedienung ein. Toshiba bietet mit Cell TV überhaupt das ultimative, wenngleich auch teuerste, Fernseherlebnis an und packt dem Bildschirm einen PC mit der Rechenkraft einer PS3 bei. Der sorgt nicht nur für gestochen scharfe Bilder in 2D und 3D, sondern dient gleichzeitig als Medienserver.

Alles Neu

Die geplante 3D-Revolution hat für Konsumenten einen großen Haken: Alte Fernseher eignen sich nicht zum Genuss der optischen Tiefe. Grund dafür ist, dass nur die neuen Geräte die hohen Bildraten von 3D-Inhalten verarbeiten können. Noch dazu bedingt das Sehen mit einer Shutter-Brille einen Infrarot-Emitter, um Fernseher und Gläser miteinander zu synchronisieren. Bei den Abspielquellen sieht es nicht viel besser aus. Nur wenige Blu-ray-Player, wie etwa die PS3 können im Nachhinein per Software auf den neuesten Stand gebracht werden. Spezielle 3D-Filme auf Blu-ray werden ebenfalls vorausgesetzt, lediglich Games können per Update im Nachhinein 3D-tauglich gemacht werden. Als Kompromiss bieten hier Samsungs und Toshibas Fernseher automatische Konvertierungen für jegliche 2D-Quellen an, um einen 3D-Effekt zu erzeugen. Obgleich das Ergebnis nicht ganz an native 3D-Medien herankommt. Bis es soweit ist, bleibt aber noch genug Zeit, die persönliche Fernsehzukunft zu planen. Das Gros der Produkte soll erst in der zweiten Jahreshälfte den Markt fluten.

Touchscreen-Mania

Der ganz große Paukenschlag war es zwar nicht, aber Microsoft-Chef Steve Ballmer hat zum Start der Messe immerhin einige Prototypen zu kommenden Tablet-PCs vorgestellt. Noch ist alles etwas wage: Weder Spezifikationen zu den Geräten sind bekannt, noch die genaue Vermarktungsstrategie. Letztere wird wohl entscheidend für den Erfolg der Windows 7-betriebenen Neulinge sein, ähnliche Konzepte sind vor Jahren bereits schon einmal in der Versenkung gelandet. Dass es künftig aber strikt in Richtung Touchscreenbedienung geht, zeigen einige Konzepte der Unternehmen Asus und MSi. Auf ihren Messeständen sind bereits erste Booklet-PCs und sogar Designs zu ultradünnen OLED-Tablets zu sehen gewesen. Aber auch sehr konkrete Produkte wie Netbooks und Laptops werden bereits mit Touchscreens ausgestattet. Diese Hybriden sollen beide Bedürfnisse nach intuitiver Eingabe und funktionaler Tastatur befriedigen. Eines fehlt den gezeigten Modellen jedoch. Für die Gestensteuerung sind herkömmliche Benutzeroberflächen von Betriebsystemen nur bedingt geeignet. Parallel zur Hardware muss also auch noch am User Interface geschnitzt werden. Vielleicht wird hier Apple ja wie bereits mit dem iPhone den Weg weisen. Der Konzern soll schließlich Branchenvertretern nach bald selbst einen Tablet präsentieren.

Mensch als Maschine

Über die grundlegende Benutzung von elektronischen Geräten machen sich zurzeit viele Unternehmen Gedanken und gehen teils sogar so weit, den Mensch direkt zur Steuerungseinheit zu machen. Künftig soll man dank Kameras und Sensoren nur noch mit den Händen winken müssen, um virtuelle Welten zu bewegen. An vorderster Front steht dabei Microsofts "Project Natal" für Xbox 360, das mit Hilfe eines Infrarotsensors den Körper des Nutzers an 31 Punkten räumlich erfasst und seine Bewegungen auf Spiele überträgt. Im Rahmen der CES hat der Entwickler neue Details zur Funktionsweise bekannt gegeben. So würde Natal etwa 10 bis 15 Prozent der Rechenleistung der Konsole beanspruchen. Ursprünglich war geplant einen zusätzlichen Prozessor einzusetzen. Die Erfassung sei so zwar nicht Millimeter genau, es reiche aber fürs Gaming aus.

Microsoft ist aber gewiss nicht das einzige Untenehmen, das mit Infrarot experimentiert. Toshiba demonstrierte eine ganz ähnliche Steuerungstechnologie zur Bedienung von Fernsehern. Damit sei man künftig nicht mehr auf eine Fernbedienung angewiesen, um umzuschalten oder auf Record zu drücken. LG geht es pragmatischer an und hat kurzerhand seine Fernbedienungen zur Wiimote umgebaut. Damit sind sogar kleine Spielchen mit TV-Apps möglich.

Kabellos

Wenn Tastaturen und Controller schon wegfallen, sollen bald auch Geräte selbst entfesselt werden. Groß im Kommen sind daher Technologien zur kabellosen Übertragung von breitbandigen Datensignalen an Fernseher. Anstatt unschöne Schläuche in die an den Wänden angebrachten Flatscreens zu stecken, werden Bildsignale in naher Zukunft "wireless" von einer verstaubaren kleinen Receiver-Box an den Fernseher geschickt. Abseits der TV-Hersteller selbst, die proprietäre Lösungen für ihre Produkte entwicklen, hat der Chipriese Intel eine entsprechende Technologie vorgestellt. WiDi ermöglicht es, Videos (sogar in HD) von PCs an Displays zu senden. Voraussetzung ist allerdings ein Laptop mit Intels Core i3 oder i5-Prozessor.

(Zsolt Wilhelm aus Las Vegas, derStandard.at, 10.1.2010)