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Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat offenbar großes Interesse an Saab.

Foto: Reuters/Vivek Prakash

Verzweifelte Bemühungen zur Rettung der schwedischen Edelmarke: Neben Spyker und Ex-MAN-Chef Haakan Samuelsson will auch Bernie Ecclestone Saab, doch GM will zusperren.

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Stockholm/Brüssel - Um den vom Aus bedrohten schwedischen Autohersteller Saab ist in letzter Minute ein neuer Bieterwettstreit entbrannt. Doch Eigentümer General Motors will sich offenbar nicht umstimmen lassen und den Betrieb einstellen. Mit der Sanierungsfirma AlixPartners wurde bereits ein Spezialist zur Abwicklung des Autobauers engagiert, teilte GMam Freitag mit. Die Gewerkschaft kritisierte die Vorgangsweise der US-Mutter scharf.

Zuvor waren reihenweise neue Interessenten aufgetaucht. Der niederländische Sportwagenhersteller Spyker reichte ein neues Kaufgebot für die skandinavische Traditionsmarke ein. Auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will Saab zusammen mit einem Partner kaufen. Zudem soll Ex-MAN-Chef Haakan Samuelsson interessiert sein.

"Konstruktiver Dialog"

Spyker Cars habe GM ein "überarbeitetes Angebot" gemacht, teilte der niederländische Sportwagenhersteller mit. Mit GM habe es einen "konstruktiven Dialog" über den Kauf seiner verlustträchtigen schwedischen Tochter gegeben, erklärte Spyker-Chef Victor Muller. "Wir glauben, dass die Marke Saab ein großes Potenzial hat und wollen die Verhandlungen schnellstmöglich zu einem Abschluss bringen." Angaben über die Höhe des nachgebesserten Angebots machte Muller nicht. Wegen eines Verlustgeschäfts braucht Spyker für einen Kauf von Saab aber die Unterstützung weiterer Investoren.

Formel-1-Chef Ecclestone will Saab zusammen mit dem luxemburgischen Finanzinvestor Genii Capital kaufen. Genii Capital bestätigte diese Angaben am Freitag und teilte mit, es sei interessiert daran, "ein Angebot für den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung" zusammen mit Ecclestone zu machen. Genii Capital werde "aggressiv an einem erfolgreichen Abschluss des Geschäfts arbeiten" , zusammen mit allen beteiligten Interessengruppen bei Saab, erklärte der Finanzinvestor. Die Marke Saab sei von "bedeutendem Wert" in einer Reihe wichtiger Automärkte und habe "ein innovatives Image".

Genii Capital verspricht sich durch den Kauf von Saab Vorteile bei der Zusammenarbeit des schwedischen Autobauers mit anderen Beteiligungen der Gruppe aus den Bereichen energieeffiziente Antriebe, Computerkomponenten, Fahrzeugelektronik und Medientechnologie. Zwischen Ecclestone und dem Finanzinvestor besteht eine Verbindung, nachdem Genii im Dezember eine Beteiligung am Rennteam von Renault kaufte, was dem französischen Autobauer den Verbleib in der Formel 1 sicherte.

Produktion straffen

Der 58-jährige Ex-MAN-Chef Haakan Samuelsson will zusammen mit einer schwedischen Investorengruppe Saab übernehmen. Laut der schwedischen Zeitung Dagens Industri ist aber noch unklar, wie Samuelsson sein Angebot finanzieren wird. Sein Konzept sehe jedoch vor, die Produktion von Saab vorerst deutlich herunterzufahren und in etwa zu halbieren. Als Partner soll Samuelsson den früheren Saab-Manager Jan Nygren an Bord haben.

Saab verkaufte 2008 weltweit rund 93.000 Autos. Das Konzept der Bieter um Samuelsson sieht Dagens Industri zufolge eine Produktion von 45.000 bis 50.000 Autos pro Jahr vor. Auf ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) will die Gruppe verzichten. Die schwedische Regierung will, wie berichtet, mit einer Bürgschaft für einen EIB-Kredit in der Höhe von 600 Mio. Dollar den tief in der schwedischen Industriegeschichte verwurzelten, aber schwer angeschlagenen Autohersteller bei Investoren schmackhaft machen. Die Europäische Kommission in Brüssel muss entscheiden, ob diese Bürgschaft mit dem EU-Recht vereinbar ist.

Käufersuche seit einem Jahr

Zuletzt gescheitert ist der Verkauf von Saab an den Sportwagenbauer Koenigsegg, der mit GM bereits einen Vorvertrag unterzeichnet hatte, der aber an Finanzierungsbedingungen geknüpft war. Dazu zählten die Kreditbürgschaft der EIB und von Schwedens Regierung zugesicherte Garantien.

General Motors sucht seit einem Jahr einen Käufer für seine schwedische Tochter. Saab beschäftigt derzeit noch 3400 Mitarbeiter in Schweden. Gewerkschaftsangaben zufolge könnte das Aus des Autobauers den Verlust von rund 8000 Arbeitsplätzen bedeuten, weil auch Zulieferbetriebe von einer Pleite betroffen wären. Für den GM-Verwaltungsrat zählten diese Argumente nicht. (AFP, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.1.2010)