Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen" ist nicht Neues. Schon die Fugger haben ihre Verantwortung als "ehrbare Kaufleute" weit über das eigene Unternehmen hinausgehend definiert und - nach heutiger Definition - "Werkswohnungen" für ihre Angestellten errichtet. Irgendwie hat ihnen der gesunde Menschenverstand signalisiert, dass zufriedene Mitarbeiter die Innovationskraft des Unternehmens erhöhen und damit seine Wettbewerbsfähigkeit positiv beeinflussen. Schon eineinhalb Jahrtausende vorher hatte Aristoteles die drei großen Bereiche individuellen und damit auch gesellschaftlichen Handelns skizziert:

  • den ökonomischen Bereich,
  • den moralisch-ethischen Bereich,
  • den politischen Bereich.


Das allein auf Gelderwerb gerichtete Leben hatte für ihn etwas "Unnatürliches und Gezwungenes". Vertreter der Systemtheorie (z. B. Hans Ulrich) unterscheiden in auffallender Analogie zu Aristoteles konzeptionell drei vernetzte Teilsysteme der Gesellschaft, nämlich das Moralsystem, das Politiksystem und das Wirtschaftssystem.

Ersteres entwickelt die grundlegenden Werte und Normen, welche in der Gesellschaft gelten sollen. Das Zweite entwickelt Regeln, welche mit Staatsgewalt in der Gesellschaft durchgesetzt werden können. Und Letzteres legt jene Regeln fest, welche bei den auf Gewinnung und Verwendung materieller Güter gerichteten Aktivitäten für die Gesellschaftsmitglieder gelten sollen.

Unter diesem Aspekt sind einzelne Unternehmen in diese Teilsysteme integriert und haben die Aufgabe, einen aus gesamtgesellschaftlicher Sicht sinnvollen Beitrag zum Funktionieren der drei Teilsysteme zu leisten. Unternehmen haben also keine Wahl: Es ist Teil ihrer Verantwortung, über das unternehmerisch Zweckmäßige hinaus noch das für die Gesellschaft "Richtige" zu tun.

Das passiert jedenfalls dann, wenn die Innovationskraft des Unternehmens in den Dienst (neuer) gesellschaftlicher Ziele gestellt wird und der Beitrag zum Gemeinwohl, die permanente Interaktion mit gesellschaftlichen Entwicklungen, als zentrale Unternehmensaufgabe wahrgenommen wird.

Systemimmanenz CSR

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen - seit den 80er-Jahren läuft sie unter dem Akronym CSR: Corporate Social Responsibility - ist quasi systemimmanent. Kurz gesagt: CSR ist nicht verhandelbar. Diskutieren kann man jedoch darüber, welche Maßnahmen am besten geeignet sind, um dieser Verantwortung nachzukommen.

"The business of business is business" - dieses Zitat wird dem Ökonomen und Nobelpreisträger Milton Friedman zugeschrieben. Damit hat er sich seinerzeit als klarer Gegner von CSR-Aktivitäten geoutet, weil sie vom "richtigen" Geschäft nur ablenken würden und damit auch nicht im Interesse der Shareholder lägen. Gegen das Zitat ist nichts einzuwenden, solange Unternehmer und Unternehmen (business) ihre Aktivitäten (business) als eine der Gesellschaft dienende Aufgabe (business) begreifen. (Werner Kerschbaum*, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.1.2010)