Wien - Vom 11. bis 15. Jänner findet im Metro-Kino in Wien die Filmretrospektive "Verpflichtung als Zeitzeuge" statt. Bei der Veranstaltungsreihe handelt es sich um eine Hommage an Artur Brauner, Überlebender der NS-Judenverfolgung und einer der wichtigsten Produzenten und aktiven Drehbuchgestalter von deutschsprachigen Filmen über den Nationalsozialismus.

Die Filmretrospektive zeigt fünf herausragende Spielfilme, die auf wahren Begebenheiten basieren. Organisiert wird die Retrospektive vom Schwerpunkt für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und dem Bundesministerium für Inneres. Die Filmabende werden von  Frank Stern, Professor für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, eingeleitet. Nach jedem Film wird die Möglichkeit eines Publikumsgesprächs geboten.

Hintergrund

Den wenigsten ist der Name Artur Brauner ein Begriff, obwohl Brauner - 1918 in Lodz geboren und Überlebender der NS-Judenverfolgung - seit über 60 Jahren als Filmproduzent aktiv ist. Seine Arbeiten, etwa die berühmten Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Briece als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand oder seine zahlreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen, kennt ein Millionenpublikum. Diese Filme bescherten Artur Brauner den kommerziellen Erfolg, um anspruchsvolle Filme über die Shoah und den mörderischen Antisemitismus und dessen Folgen nach 1945 produzieren zu können.

Davon sind manche seiner Filme, wie "Hitlerjung Salomon" oder "Zeugin aus der Hölle", einem größeren Publikum bekannt. Viele seiner bewegenden filmischen Auseinandersetzungen sind jedoch weitgehend unbekannt geblieben. Es sind Filme, die wunde Stellen der Erinnerung berühren, Filme gegen das Vergessen und Filme, die sich aktuellen Fragen von Schuld und Verantwortung stellen.

Programm: Die fünf Spielfilme

"Der letzte Zug", "Babij Jar" und "Von Hölle zu Hölle" sind drei Filme einer Filmtriologie von Artur Brauner. Sie handeln von der Deportation Berliner JüdInnen, dem Massaker an der jüdischen Bevölkerung in der Nähe Kiews und dem Pogrom an der jüdischen Bevölkerung nach der Befreiung im Juli 1946 in Kielce. Der vierte Film der Retrospektive ist "Morituri". Artur Brauner drehte den Streifen unmittelbar nach der Befreiung und er spielt in den letzten Tagen der NS-Herrschaft. Die Spielfilme basieren auf wahren Begebenheiten, und entstanden oftmals unter Mitwirkung oder auf der Grundlage persönlicher Erinnerungen Überlebender. Der letzte Film der Reihe, "Zu Freiwild verdammt", handelt von der 13-jährigen Ruth, der die Flucht gelingt und die sich allein, ständig von Verrat und Todesgefahr bedroht, durch ganz Polen schlägt und überlebt. (red)