Klatschmäuler, Intriganten, Informanten, Rufmörder, Nachredner, Seitenblicker, immer am Puls der Zeit, immer voll im Trend. In medialen Gerüchteküchen wird hingebungsvoll in undurchsichtigen Brühen gerührt, falscher Hase geschmort, alter Käse zum Sensationsgerü... äh ...richt. Serviert wird diskret, hinter vorgehaltener Hand. Schwein gehabt, wen's nicht trifft.

Das Küchenpersonal ähnelt der antiken Fabelgestalt Fama, die aus tausenden Mäulern unverbürgte Neuigkeiten speit. Wie sagt der Lateiner doch so treffend: "Audacter calumniare, semper aliquid haeret": Verleumde nur kühn, immer bleibt etwas haften. Und schon in der Bibel heißt es: "Die Zunge ist ein ruheloses Übel voll tödlichen Giftes."

Und schließlich: Was erst wäre die Kunst ohne Tratschkes. Der größte Enthüllungskünstler wurde von Anselm Feuerbach gemalt: Pietro Aretino, geboren 1492 an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit, denunzierte frei von der Leber weg: Mäzene in Venedig, Gönner in Rom. Gestorben ist das geniale Klatschmaul - angeblich - an einem obszönen Witz: Vor Lachen kippte Aretino vom Sessel und brach sich das Genick. Für seine Indiskretionen wurde er übrigens stets fürstlich entlohnt. Das machte Schule.

Die hohe Klatsch-Kunst, zum Beruf verfeinert, nennt sich - mitunter - auch Journalismus. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 09./10.01.2010)