Klagenfurt - Modest Mussorgskis Paradeoper der Machtspiele (auch das Libretto stammt vom russischen Komponisten) strotzt ja nicht unbedingt vor dramatischer Dichte - umso gewichtigere Akzente setzt aber sein archaischer und unkonventioneller Tonsatz, der Entwicklungen des 20. Jahrhunderts vorausahnen lässt und von seiner erfrischenden Wirkung kaum etwas verloren hat.

Das trifft besonders dann zu, wenn man sich wie in diesem Fall am Stadttheater Klagenfurt des "urwüchsigen" Originals und nicht der eher geglätteten Bearbeitungen von Komponist Nikolai Rimsky-Korsakows bedient. Die von patriotischem Pathos und geradezu epischer Breite getragene Handlung schleppt sich in der Inszenierung Andreas Baeslers aber leider in schläfriger Einförmigkeit dahin. Bisweilen glaubt man sich in ein szenisch aufgearbeitetes Oratorium versetzt, das ein schwerfälliges Textbuch als "Klotz am Bein" mitzieht.

Musikalisch souverän

Zur allgemeinen Müdigkeit trägt auch das einheitlich düster geprägte Bühnenbild von Andreas Wilkens mit trostloser, aber nicht uncharmanter Bahnhofsidylle bei! Immerhin: Die nach Wucht und Dynamik gierende Partitur wird vom Kärntner Symphonieorchester unter Peter Marschik souverän umgesetzt, das ultimative Fortissimo scheitert letztlich nur an den räumlichen Gegebenheiten. Der Orchestergraben bietet ganz einfach zu wenig Platz für derartige Klangorgien. Die Besetzung? Renatus Meszar liefert einen großartigen Boris, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch setzt er die Highlights des Abends. Seine im wahrsten Sinne langatmigen Arien bewältigt er mit bewundernswerter Konzentration und Sicherheit.

Ihm am nächsten kommt In Sung Sim, der einen äußerst glaubwürdigen und stimmgewaltigen Chronikschreiber Pimen mimt. Der Chor des Stadttheaters hat hingegen geraume Zeit nicht nur mit der russischen Sprache Probleme und lässt bisweilen Homogenität vermissen. Letztlich werden szenische Defizite von einer musikalisch großteils geglückten Umsetzung zumindest teilweise aufgehoben. (Bernhard Bayer, DER STANDARD/Printausgabe, 09./10.01.2010)