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Könnte er, wie er wollte, würde ÖVP-Chef Josef Pröll durchaus einen parteifreien Wissenschaftsminister in sein Team holen.

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Wien - Einmal hat er es schon getan. Soll ÖVP-Chef Josef Pröll es ein zweites Mal tun und nach der parteifreien Justizministerin Claudia Bandion-Ortner noch einen Ministersessel an einen Nicht-ÖVPler vergeben und einen unabhängigen Wissenschaftsminister ins Team holen? Warum nicht?

Ein unabhängiger Kandidat für die Nachfolge des künftigen EU-Kommissars Johannes Hahn wäre schon gefunden und wurde von der ÖVP auch bereits gefragt. Der Rektor der Uni Innsbruck, Karlheinz Töchterle, mit einer Vergangenheit als langjähriger Gemeinderat in Telfes im Stubai und einem 1994 errungenen Landtagsmandat für die Grünen, auf das er verzichtete, bestätigt im Gespräch mit dem STANDARD die Avancen der ÖVP: "Ja, ich wurde gefragt, und es wäre natürlich eine große und spannende Herausforderung, die Uni-Politik nachhaltig mitzugestalten" - wenn da nicht die gängigen parteipolitischen Gesetzmäßigkeiten "der großen Verlockung" entgegenstünden, erinnert Töchterle zum Beispiel an Begehrlichkeiten der Länder.

In der Tat sieht sich Pröll vor allem mit steirischen Ansprüchen auf das Ministeramt konfrontiert, muss die VP dort doch heuer eine Landtagswahl schlagen. Einen Minister nimmt man da gern. Noch immer hoch gehandelt wird die vom Standard bereits kolportierte Variante, wonach Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka zu höheren Weihen kommen könnte.

Ein Ende der Spekulationen ist jedenfalls in Sicht. Entweder Pröll nutzt die ÖVP-Klausur und verkündet am Montag seine Rochade - oder er präsentiert am Freitag (Hahns Hearing in Brüssel ist am Donnerstag) sein neues Personal.

Marek wackelt

Gerüchten zufolge steht auch Familienstaatssekretärin Christine Marek auf Prölls Abschussliste. Auch wenn das Regierungsamt vorteilhaft ist, weil es interessante Auftrittsmöglichkeiten bietet, wäre es Pröll lieber, wenn sich Marek ganz auf ihre Aufgabe als Chefin der VP Wien und den Wiener Wahlkampf konzentrieren würde. (Lisa Nimmervoll und Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.1.2010)