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Argentiniens Präsidentin de Kirchner hatte Zentralbank-Chef Redrado entlassen, eine Richterin setzte diese Entscheidung außer Kraft.

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Buenos Aires / Puebla - Eine Bombe inmitten der Sommerferien: Wegen des akuten Liquiditätsengpasses und der Leere in den Staatskassen hat Präsidentin Cristina Kirchner ein Auge auf die Zentralbankreserven geworfen. 6,6 Milliarden Dollar (4,6 Mrd. Euro) aus den Schatullen der Zentralbank sollten per Dekret zur Reduktion von rund 13 Mrd. Dollar Schulden herangezogen werden. Insgesamt belaufen sich die Zentralbankreserven auf 47 Milliarden.

Doch Zentralbankpräsident Martin Redrado, ein anerkannter Ökonom, wollte das Dekret und seine Folgen überprüfen - und brachte damit die Präsidentin in Rage. Sie entließ ihn kurzerhand - per Dekret wegen "schlechten Benehmens und Nichterfüllung der Amtspflichten". Der brüskierte Redrado verweigerte seinen Rücktritt mit den Worten "Die Zentralbankreserven gehören dem argentinischen Volk und nicht der Exekutive" und mahnte die Einhaltung der dafür vorgesehenen Spielregeln ein - nämlich einen Beschluss des Kongresses.

Ein Gericht gab ihm nun Recht, ordnete seine Wiedereinsetzung an und verweigerte bis zur endgültigen Entscheidung über die Besetzung des Zentralbankpostens den Zugriff auf die Devisenreserven. Kirchner sprach von einem "Blockademanöver der Opposition" , die früher selbst schamlos Zentralbankreserven geplündert habe. Der Richterin drohte sie einen Prozess an. Exwirtschaftsminister Roberto Lavagna warnt: "Zum einen ist die Autonomie der Zentralbank angeschlagen, zum anderen sinken die Chancen für eine günstige Refinanzierung der Schulden durch neue Bonds." (Sandra Weiss, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.01.2010)