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Seilschaften haben den Aufstieg der Kärntner geprägt. Die werden nun, nach dem Absturz der Bank, von der Justiz hinterfragt.

Foto: AP/Eggenberger

Ein Umstand, der auch anderen Hypo-Transaktionen eigen ist.

Wien – Der Verkauf der Pörtschacher "Seevilla" samt 5300 Quadratmetern Wörthersee-Grundstück an Friederike Koch (Ex-Möbel-Leiner-Gesellschafterin und Ehefrau von Kika/Leiner-Seniorchef Herbert Koch, einst Hypo-Aufsichtsratschef) schlägt nicht nur an Kärntner Gestaden hohe Wellen. Kochs haben die Liegenschaft (grenzt an ihr vorhandenes Grundstück) um rund 7,5 Mio. Euro von der Hypo-Tochter Kärntner Holding Beteiligungs AG (KHBAG; fünf Prozent sind der Hypo zuzurechnen) gekauft. Die Bank hatte die Immobilie vor 2,5 Jahren von der Kärntner Hoteliersfamilie Miklautz erworben (um 6,5 Mio. Euro), der Hotelbetrieb wurde eingestellt.

Ob der Preis realistisch ist (kolportierte Angebote von zwölf Mio. Euro werden von einem Manager der Seevilla-Betriebsgesellschaft als "Fantasie" abgetan), wird derzeit vom Finanzministerium geprüft. Faktum ist, dass das Grundstück zeitlich unbegrenzt als "rein touristisch nützbares Kurgebiet" ("Kurgebiet rein" nennt man das) gewidmet ist. Diese Nutzungsauflage gilt auch, wenn Kochs die zwei alten Häuser auf dem Grundstück abreißen und allenfalls neue errichten lassen. Recht auf Umwidmung gibt es keines; Widmungsfragen sind Sache der Raumplaner der jeweiligen Gemeinde und des Landes.

Family-Business

Plastisch gesprochen bleiben Seevilla und Park in der Familie. Die Ex-Besitzer, Andreas Miklautz senior und junior, sind ebenso wie das Ehepaar Koch Gesellschafter der Wiener Immo-Beteiligungsgesellschaft Agroeast GmbH, die von Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer geführt wird. Rund sechs Prozent an der Agroeast hält etwa die Andreas Adami Privatstiftung, die (unter anderem) vom Ex-FPÖ- und Ex-BZÖ-Abgeordneten und Immobilienexperten Detlev Neudeck gestiftet wurde. Er hat mit der Hypo auch am Balkan gewinnträchtige Immo-Deals gemacht. Ex-Hypo-Präsident Koch hat auch am Hypo-Verkauf an die Bayern mitverdient – via Berlin-Gruppe.

Der Industrielle Stanislaus Turnauer dagegen nicht; jedenfalls nicht persönlich, wie es heißt, was den Schluss nahelegt, dass die Familienstiftung bei der Gruppe rund um Tilo Berlin dabei war. Ebenso Turnauers Aufsichtsrat in der Constantia Industries, Industriellenchef Veit Sorger. Ihm sei das Investment mit Exit-Strategie Börsengang empfohlen worden, sagt er, von einem Verkauf an die Bayern sei keine Rede gewesen. Sorger: "Ich sehe darin ein normales Investment in einer Privatisierungssache, kein Insidergeschäft."

Komplexe Konstruktionen

Alte Bekannt- und Seilschaften haben die Kärntner Hypo schon immer geprägt. Die Kapitalerhöhung der Hypo-Leasing über Vorzugsaktien 2004 etwa wurde von der Aufsicht genauestens hinterfragt; sie erfolgte in komplexen Konstruktionen angeblich mit der Klagenfurter BC Holding AG (heute: Best Invest Holding) und über Kredite der Hypo Alpe Adria Bank Liechtenstein an Stiftungen und Privatpersonen.

Die Best Invest Holding leitet Gerhard Kucher, er ist auch Vorstand der Tate Privatstiftung. Einer ihrer Stifter ist: Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger. Die Bank in Liechtenstein wurde übrigens verkauft (an wen, wurde nie kommuniziert) – was aber nicht viel zur Sache tut, weil der Verkauf 2009 wieder rückgängig gemacht wurde. Derzeit wird die Bank still und leise liquidiert. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.1.2010)