New York / Wien - Die Finanzkonstrukte, die mit zur Immobilienblase geführt haben, werden nun zunehmend vor Gericht infrage gestellt. So hat ein Pensionsfonds der Virgin Islands die Investmentbank Morgan Stanley zum Jahreswechsel wegen eines solchen Produktes vor Gericht gezerrt.

Bei dem Rechtsstreit geht es um eine 1,2 Milliarden Dollar schweren CDO (Collateralized Debt Obligation) namens Libertas. Der Investor wirft der Bank in der Anklage vor, Ratingagenturen dazu benutzt zu haben, Investoren über die Qualität der Immobilienkredite absichtlich zu täuschen. Die Bank hätte zudem selbst gegen die eigenen Produkte gewettet. Viele Käufer von CDOs sehen sich heute als Opfer der fragwürdigen Praxis, dass Banken eine hohe Position gegen die eigenen Produkte gehalten und so bei Verlusten profitiert haben. Das hätte zu laxer Analyse der Bonität von den Hypothekenschuldnern geführt.

Kredite gebündelt

Im Laufe der Jahre 2004 bis 2008 haben Banken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley hunderte Milliarden Dollar an synthetischen CDOs verkauft. Eine Investmentbank bündelt für diese strukturierten Produkte Kredite und verkauft die erwarteten Zahlungsströme der Papiere an Investoren. Im Falle von synthetischen CDOs besteht der zugrunde liegende Wertpapierpool aber nicht aus Unternehmens- oder Immobilienkrediten, sondern aus Derivaten, Credit Default Swaps (CDS).

Wegen dieser Swaps, die eine Kreditversicherung sind, gibt es bei CDOs immer eine Sieger- und Verliererseite. Fällt ein Kredit aus, hat der CDS-Käufer (Long-Seite) den Schaden und der CDS-Verkäufer (Short-Seite) den Profit. Insbesondere Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen CDOs verkauft, selbst aber eine hohe Short-Position gehalten haben.

Und ewig lockt der Bonus

Indes zeichnet sich in vielen Bereichen des Investmentbanking ein neuer Boom ab. So stellt die Bank of America ihren Investmentbankern für 2009 genauso hohe Extrazahlungen in Aussicht wie vor der Krise. Die Ausschüttung bewegt sich nahe des Wertes von 2007, schreibt das Wall Street Journal. Erst im Dezember hat die Bank die Staatshilfe von 45 Mrd. Dollar (31,5 Mrd. Euro) zurückgezahlt. (sulu, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.1.2010)