Gehen Putzerfische ihrer Reinigungstätigkeit paarweise nach, dann ist das für alle Beteiligten von Vorteil.

Foto: Gerry Allen

Washington - Ihre Putzstationen sind tierische Dienstleistungsunternehmen der ganz besonderen Art. Geleitet werden die maritimen Reinigungsfirmen von jeweils einem männlichen Putzerlippfisch, der sich gemeinsam mit seinem Harem von drei bis sechs Weibchen um das Wohl der Kunden kümmert. Und zwar auf eine besonders ausgeklügelte Art und Weise, wie Biologen nun im Fachblatt "Science" festgestellt haben.

Die Kunden der Putzstationen sind Fische, die sehr viel größer sind als die kleinen Saubermacher, deren Job (und Mahlzeit) es ist, Parasiten und abgestorbene Haut von ihren Klienten zu entfernen. Die Putzerfische stehen dabei vor einem Dilemma: Wenn sie noch etwas vom Schleim der Fischhaut abknabbern, wird das Essen noch besser. Das aber verärgert die Kunden und führt im schlimmsten Fall dazu, dass die einfach abhauen.

Wie die Forscher beobachteten, werden die Kunden besser behandelt, wenn die Putzerfische paarweise arbeiten: Dann nämlich verjagen die männlichen Putzerfische jene weiblichen Mitarbeiter, die allzu gefräßig säubern.

Die Biologen vermuteten, dass diese Sanktionen die Weibchen langfristig zu mehr Kooperation zwingen, um so den Kundenstock zu erhalten - und testeten diese Hypothese im Aquarium. Dort erhielten die Putzerfische die bei ihnen beliebten Garnelen und ungeliebte Fischflocken. Naschten die Weibchen nur an den Garnelen, die alsbald entfernt wurden, hatte das Strafen der Männchen zur Folge, und die Weibchen änderten das Fressverhalten. Wurde das Eingreifen verhindert, machten die Weibchen so weiter.

Damit zeigt sich erstmals bei Fischen, dass sich selbstlose Bestrafung lohnt, selbst wenn jemand Dritter profitiert. Genau das haben Ökonomen auch schon bei "Menschenversuchen" gezeigt. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 9./10. 1. 2010)