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Das Jubeln blieb fast ausschließlich dem Auswärtssektor vorbehalten

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Einmarsch des Gladiators Rene Swette

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Gute Stimmung auf den Rängen...

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...und beim Aufwärmen auch noch beim KAC.

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Klagenfurt - Danach war Kärnten, was es in letzter Zeit immer öfter ist. Geteilter Meinung. "Ein Riesen-Erlebnis" , sagten die Spieler im Anschluss an das erste Freiluft-Derby nicht nur der Kärntner, sondern der österreichischen Eishockey-Geschichte. Und vor allem die Villacher freuten sich über das 3:1 (0:0, 2:0, 1:1), das sie gegen den KAC vor 30.500 Zusehern in der Hypo Group Arena (heißt immer noch so) errungen hatten. "Ein Riesen-Schas" , waren viele Fans am Abend an der Theke in der "Hirter Botschaft" einer Meinung. Zugegeben, vor allem Klagenfurter Fans.

Erlebnis passt auf jeden Fall, schließlich war das Match ein historisches, wenn auch der Europarekord (31.144, Frölunda Göteborg vs. Färjestad, Dezember 2009) knapp verpasst wurde. Außerdem stieg vor der Partie eine Modeschau des Kärntner Heimatwerks, Opus-Leadsänger Herwig Rüdisser gab die eine Opus-Nummer zum Besten, Günther Magerle gleich zwei Strophen des Kärntner Heimatlieds. Und Bischof Alois Schwarz erbat "die Kraft von oben" , um "die ganze Energie Gottes herunterzuziehen aufs Eis" . Reden von Politikern hatte sich der KAC verbeten, kein Bürgermeister, kein Landeshauptmann war zu hören oder sehen, das tat der Geschichtsträchtigkeit des Events keinen Abbruch.

So oder so hörte es zu schneien auf, nach einer außertourlichen Eisreinigung in Minute 10 schlitterte der Puck auch flott dahin, es entwickelte sich ein Eishockey-Spiel. Vom Allerallerfeinsten war es nicht, doch hätte der Klagenfurter Fantenor anders geklungen, hätte der KAC seine Sache besser gemacht. Beim Titelverteidiger kriselt's, vielleicht fällt er gar ums Playoff um. Eine starke Villacher Angriffslinie reichte am Samstag aus - Michael Raffl, Roland Kaspitz und Günther Lanzinger zeichneten für alle drei VSV-Tore verantwortlich. Für den KAC hatte Thomas Hundertpfund zum 1:2 getroffen, Freude und Hoffnung im Schlussdrittel währten freilich nur 48 Sekunden, dann stellte Kaspitz den Endstand her.

Stellt sich die Frage, ob das Freiluft-Spektakel zu wiederholen ist. Man kann sich schon vorstellen, dass Salzburg etwas Ähnliches aufzieht, wenn Red Bull die PR-Maschinerie anwirft. Oder dass eine Eisfläche das halbe Fußballfeld des Wiener Ernst-Happel-Stadions schmücken könnte, in dem ja auch schon Tennis-Daviscup (gegen die USA) gespielt wurde. Capitals-Präsident Hans Schmid denkt an eine Doppelveranstaltung gemeinsam mit dem KAC sowie Salzburg oder Villach. Vielleicht wird das Open-Air-Derby auch zur ständigen Kärntner Einrichtung. "Einmal im Jahr, das wär schon was" , sagte VSV-Verteidiger Gerhard Unterluggauer.

Die Chose lohnte sich

Der logistische Aufwand ist freilich nicht ohne: insgesamt 16 Tage Aufbau, 300 Kilometer Kühlschläuche, 120.000 Liter Wasser für die Eisaufbereitung, 500.000 Watt Beleuchtung des Spielfelds, 60 Musikboxen (Leistung 15.000 Watt). Und doch hat sich die Chose für die Veranstalter, den KAC und die Sportpark Klagenfurt GmbH, mit Sicherheit ausgezahlt. Mit 350.000 Euro hatten sie budgetiert und ab 23.600 Zusehern mit einem Gewinn gerechnet, der nun also im sechsstelligen Bereich liegt und den sie sich teilen. Christian Feichtinger, Manager der Erste Bank Liga (EBEL), freute sich über "unbezahlbare Werbung weit über die Grenzen hinaus" , die Grenzen Österreichs wohlgemerkt, nicht bloß Kärntens.

Der KAC hatte das Stadion mit Transparenten geschmückt. "50 Jahre Messehalle sind genug" und "LH Dörfler - Die neue Halle!! Es wird Zeit!!" , stand da geschrieben. In großen Lettern natürlich.

Tatsächlich ist die Messehalle, in der Österreichs Rekordmeister spielt, alles andere denn zeitgemäß. Und tatsächlich sollte eine neue Halle gebaut werden, vor den Landtagswahlen haben sich Politiker diverser Couleurs dafür ausgesprochen. Auch deshalb mag beim Derby kein Einziger von ihnen zu Wort gekommen sein. Weil sich der KAC seine Halle wohl aufzeichnen kann. Weil ein Hypo-Debakel später alles ganz anders aussieht. Weil nämlich Kärntens und Klagenfurts Finanzlage eher kein Riesen-Erlebnis ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 11.01.2010)

 

Erste Bank Eishockey Liga (42. Runde) vom Samstag:

KAC - VSV 1:3 (0:0,0:2,1:1)
Klagenfurt, Wörthersee-Arena, 30.500 (ausverkauft), SR Berneker/Tschebull.

Tore: Hundertpfund (47.) bzw. M. Raffl (26., 31.), Kaspitz (48.)

Strafminuten: 12 bzw. 20.