Washington - US-Regierungsbeamte haben laut einem Bericht der "New York Times" unterlassene medizinische Behandlungen in Gefängnissen für Einwanderer vertuscht. Wie die Zeitung am Samstagabend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente berichtete, stellten Sachverständige in bisher geheimen Berichten beispielsweise fest, dass ein "unerträglicher, nicht behandelter Schmerz" nach einem Beinbruch ein Grund für den Selbstmord des 22-jährigen Nery Romero im Jahr 2007 im Bergen-County-Gefängnis in New Jersey gewesen sei.

Die Sachverständigen entdeckten laut "NYT", dass das Personal Angaben in Romeros Krankendatei gefälscht habe. Darin habe es geheißen, dass dem Insassen ein Schmerzmittel verordnet worden sei. Allerdings sei Romero am Tag des Eintrags bereits tot gewesen. Den Angehörigen des Salvadorianers seien die Ermittlungsergebnisse jedoch nie mitgeteilt worden. Sie hatten dem Gefängnis vorgeworfen, die verordneten Schmerzmittel überraschend abgesetzt zu haben.

In einem weiteren Fall wurde ein Gefangener trotz eines Schädelbruchs stundenlang ohne medizinische Versorgung in einer Isolationszelle gefangen gehalten. Erst nach 13 Stunden sei der 52-jährige Boubacar Bah aus Guinea aus der Haftanstalt in Elizabeth im US-Bundesstaat New Jersey in ein Krankenhaus gebracht worden, berichtete die "New York Times". Während Bah nach einer Notoperation im Koma lag, hätten zehn Beamte beratschlagt, wie sich seine Pflegekosten gering halten und eine Berichterstattung vermeiden ließen. Dabei sei auch eine Ausweisung des sterbenden Mannes erwogen worden. Schließlich entschieden sich die Beamte für eine "humanitäre Freilassung". Wenige Tage vor der Entlassung sei Bah dann gestorben. (APA)