Ganz überraschend kam Maria Fekters jüngster Vorschlag nicht: Wenn die Vordernberger für ein Schubhaftzentrum sind, weil die dortigen Ausländer eingesperrt sind, und die Eberauer gegen ein Erstaufnahmezentrum, weil Asylwerber grundsätzlich frei herumlaufen dürfen, dann sperrt man sie eben vom ersten Tag an ein.

"Anwesenheitspflicht" nennt das die Innenministerin euphemistisch - und will die Internierung auf ein Monat beschränken. Aber warum eigentlich? Schließlich lässt sie sich von den "berechtigten Sorgen der Bürger" leiten, und diese werden bei Asylwerbern mit der Zeit nicht weniger. Nach dieser Logik könnte man gleich alle Ausländer einsperren, damit sich niemand mehr fürchten muss.

Selten zuvor wurde die Armseligkeit unserer Fremdenpolitik so offen demonstriert. Wir lassen Asylsuchende durch verschleppte Verfahren in einem oft jahrelangen Schwebezustand hängen und treiben sie durch ein sinnloses Beschäftigungsverbot in die Kriminalität. Wenn das alles zu Spannungen führt, dann sperren wir sie ein - zum Abschied in die Schubhaft oder gleich bei der Begrüßung.

Fekter weiß wohl, dass Eberau politisch nicht mehr durchzusetzen ist. Dieses Patt wäre Anlass für eine nüchterne Debatte über die Reform der Asylpraxis, bei der auf die Bedürfnisse aller Betroffenen eingegangen wird, und eine faire Verteilung der Lasten zwischen den Bundesländern. Die Chance dazu hat Fekter wieder einmal vertan. (Eric Frey, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Jänner 2010)